Sonntag, 4. September 2022 | Predigt | Bach um fünf Kantatengottesdienst

Bach um fünf Kantatengottesdienst zu Pfingsten „Ihr, die ihr euch von Christo nennet“ BWV 164 (neu) | Chor: Vokalwerk Hannover, Leitung: Dr. Martin Kohlmann | Predigt: Geistl. Vizepräsident i.R. Arend de Vries, Ltg.: Pastorin Martina Trauschke

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Auch im 15. Jahr Bach um fünf gibt es noch einige Kantaten aus Johann Sebastian Bachs reichem kompositorischen Schaffen, die noch nicht in der Neustädter Kirche erklungen sind. Freuen Sie sich auf Schätze, die es zu entdecken gilt. 

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GOTTESDIENST feiern wir – gemeinsam auf Abstand! Wir haben momentan 208 Sitzplätze in der Kirche. Bitte setzen Sie sich nur auf die zugewiesenen Plätze! Bitte betreten Sie die Kirche nur mit Mundschutz! Bitte halten Sie Abstand zueinander!

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Eine Anmeldungen ist nicht mehr erforderlich.

PREDIGT:

Arend de Vries
Geistlicher Vizepräsident i.R. - Prior des Klosters Loccum
Bach um Fünf am 4. September 2022
Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis
Kantate BWV 164 „Ihr, die ihr euch von Christo nennet“
1. ARIA (Tenor)
Ihr, die ihr euch von Christo nennet,
Wo bleibet die Barmherzigkeit,
Daran man Christi Glieder kennet?
Sie ist von euch, ach, allzu weit.
Die Herzen sollten liebreich sein,
So sind sie härter als ein Stein.
2. RECITATIVO (Bass)
Wir hören zwar, was selbst die Liebe spricht:
Die mit Barmherzigkeit den Nächsten hier umfangen
Die sollen vor Gericht
Barmherzigkeit erlangen.
Jedoch, wir achten solches nicht!
Wir hören noch des Nächsten Seufzer an!
Er klopft an unser Herz; doch wirds nicht aufgetan!
Wir sehen zwar sein Händeringen,
Sein Auge, das von Tränen fleußt;
Doch lässt das Herz sich nicht zur Liebe zwingen.
Der Priester und Levit,
Der hier zur Seite tritt,
Sind ja ein Bild liebloser Christen;
Sie tun, als wenn sie nichts von fremdem Elend wüssten,
Sie gießen weder Öl noch Wein
Ins Nächsten Wunden ein.
3. ARIA (Alt)
Nur durch Lieb und durch Erbarmen
Werden wir Gott selber gleich.
Samaritergleiche Herzen
Lassen fremden Schmerz sich schmerzen
Und sind an Erbarmung reich.
4. RECITATIVO (Tenor)
Ach, schmelze doch durch deinen Liebesstrahl
Des kalten Herzens Stahl,
Dass ich die wahre Christenliebe,
Mein Heiland, täglich übe,
Dass meines Nächsten Wehe,
Er sei auch, wer er ist,
Freund oder Feind, Heid oder Christ,
Mir als mein eignes Leid zu Herzen allzeit gehe!
Mein Herz sei liebreich, sanft und mild,
So wird in mir verklärt dein Ebenbild.
5. ARIA (Duetto Sopran/Bass)
Händen, die sich nicht verschließen,
Wird der Himmel aufgetan.
Augen, die mitleidend fließen,
Sieht der Heiland gnädig an.
Herzen, die nach Liebe streben,
Will Gott selbst sein Herze geben.
6. CHORAL
Ertöt uns durch dein Güte,
Erweck uns durch dein Gnad!
Den alten Menschen kränke,
Dass der neu' leben mag
Wohl hier auf dieser Erden,
Den Sinn und all Begehrden
Und Gdanken habn zu dir.
Predigt Teil 1
Liebe Gemeinde,
manche Musik, auch manche Kantate, erschließt sich gleich beim ersten Hören, vermutlich, weil sie zu
Herzen geht. Bei anderen Kantaten muss man sich erst einhören, einlesen, Text und Musik durchdringen,
damit sie sich erschließen. So ist es mir mit der heutigen Kantate ergangen. Ich nehme Sie mit auf
meinen Weg mit dieser Kantate, bevor sie gleich erklingt.
Der Text stammt von Salomo Frank, einem Juristen und Theologen, der 1715 in Weimar seinen Zyklus
„Evangelisches Andachts-Opfer“ herausgegeben hat. Für insgesamt 20 Kantaten Bachs liefert Salomo
Frank die Textvorlage. Bei unserer heutigen Kantate hat Bach den Text aber erst zehn Jahre später aufgegriffen,
nicht schon in Weimar, sondern für seinen dritten, den Leipziger Kantaten-Zyklus.
Der Schlusschoral entstammt dem Lied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“, gedichtet von Elisabeth
Creuziger oder auch Cruciger. Sie wird die erste protestantische Liederdichterin genannt wird. Elisabeth
war eine Nonne, die 1522 das Kloster verließ, nach Wittenberg kam, dort im Haushalt des Reformators
Bugenhagen lebte und dann einen Mitarbeiter Luthers heiratete. Ihr Choral „Herr Christ, der einig Gotts
Sohn“ ist Grundlage der gleichnamigen Kantate BWV 96, die wir im Oktober letzten Jahres bei Bach um
Fünf gehört haben. Wir singen ihn nach der Kantate als Gemeindechoral.
Die Kantate BWV 164 unterscheidet sich stark von anderen Kantaten der Trinitatiszeit: eine fast kammermusikalische
Form: kein Eingangschor, für den Chor nur der Schlusschoral. Zu den Streichern treten
in einer Arie zwei Traversflöten. In einer weiteren Arie kommen noch zwei Oben hinzu.
Dem Text der Kantate mit seinen sechs Sätzen liegt durchgängig das Sonntagsevangelium zugrunde – wir
haben es eben gehört: das bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter.
Barmherzigkeit ist auch durchgängig das Leitwort: die erfahrene Barmherzigkeit Gottes und die gelebte
Barmherzigkeit der Christenmenschen, die geradezu ihr Kennzeichen ist. Dass wir Christinnen und Christen
Barmherzigkeit leben, ist nicht eine Option neben anderen – sie ist vielmehr mehr das Kriterium, an
dem sich das Christenleben zeigt – oder auch nicht. Darum die direkte Anrede: „Ihr, die ihr auch von
Christo nennet“. Im 1. Brief an die Korinther hat Paulus den Christenmenschen dieses Prädikat verliehen:
„“Ihr seid Christi.“
Direkt und unvermittelt werden sie, werden wir angesprochen: In der ersten Arie tritt der Tenor auf in
der Rolle eines mahnenden Propheten und benennt, was fehlt: „Wo bleibet die Barmherzigkeit?“, an der
man euch Christinnen und Christen doch erkennen sollte. Sie ist fern! „Liebreich“ sollten eure Herzen
sein – stattdessen „Herzen, härter als ein Stein“. Zwei Takte lang muss der Tenor auf dem hohen „F“
aushalten, um diese Härte zum Ausdruck zu bringen.
Dabei hatte Gott doch schon durch den Propheten Ezechiel verheißen: „Ich will das steinerne Herz wegnehmen
aus ihrem Leibe und ihnen ein neues, ein fleischliches Herz geben“ - ein menschliches, mitfühlendes,
mitleidendes Herz.
Der Anrede durch den Tenor an uns, die „ihr euch von Christo nennet“ folgt nun das „Wir“ im Rezitativ
des Basses, das Bekenntnis der Christenmenschen. Er paraphrasiert die Seligpreisung, die wir aus der
Bergpredigt kennen: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“.
Aber er muss Versagen feststellen, Verweigerung in jeder Hinsicht. Beschreibt, wie Christen das wahre
Christsein durch Lieblosigkeit verfehlen, wenn sie die nonverbalen Hilferufe nicht wahrnehmen:
- Sie hören nicht die Seufzer der Nächsten,
- es klopft an der Tür, aber es wird nicht aufgetan,
- die händeringende Bitte um Hilfe wird nicht gesehen,
- die tränenden Augen und das Weinen werden nicht wahrgenommen.
Wie Priester und Levit im Gleichnis: Sie / wir sind ein Bild liebloser Christen, die tun, als ob wir von
fremdem Elend nichts wüssten.
Das schlägt sich nieder in der folgenden Alt-Arie: ein dichtes Gewebe von Seufzer-Motiven. Die Einsicht,
dass nur durch Liebe und Erbarmen Christinnen und Christen ihrer wahren Bestimmung gerecht werden.
Die umschmeichelnden Klänge der Traversflöten wollen die Herzen, hart wie Stein, zum Erweichen bringen,
sie verwandeln, zu „samaritergleichen Herzen“, Herzen, die sensibel sind für die Schmerzen und
Leiden anderer. So, dass „fremde Schmerzen zu eigenen Schmerzen werden“.
Darin liegt die Verheißung, zu werden wie Gott. Eine theologische steile Aussage. War doch seit dem
Turmbau zu Babel das „Werden wie Gott“ eine der Ursünden des Menschen. Doch wenn Gottes Liebe zu
uns Menschen in unserer Liebe zu den Menschen an ihr Ziel kommt, dann ist dieses Gott-gleich-Werden
eine Verheißung. Es ist nichts, was der Mensch sich nehmen kann – es ist Geschenk Gottes. So wie im 1.
Johannes-Brief verheißen: „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir Gottes Kinder
heißen – und wir sind es auch. Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein.“
Darum bittet der Tenor in seinem Rezitativ – nun in der Rolle des Vorbeters - mit der Bitte, dass er die
„wahre Christenliebe“ übe. Und das gegenüber jedem Menschen, wer immer er auch sei: „Freund oder
Feind, Heid oder Christ“. So wird der Mensch seiner Bestimmung gerecht: er wird zum Ebenbild Gottes,
wie es in der Schöpfungsgeschichte angelegt ist.
Die Verheißung der Seligpreisungen „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“
wird nun in der kunstvollen Arie für Sopran und Bass anschaulich. Dabei geht der Verfasser bildlich
von außen nach innen vor: von den Extremitäten der Hände über das Gesichtsorgan der Augen zum
Herzen als Sitz der Liebe. Die beiden Stimmen und die Instrumentalisten imitieren dabei in immer neuen
Ansätzen einen Kanon und bringen zum Ausdruck, was Christinnen und Christen, die Barmherzigkeit
leben, verheißen wird:
- Ihnen wird der Himmel aufgetan
- Sie sieht der Heiland gnädig an
- Ihnen gibt Gott selbst sein Herz.
Wer sich mit der Zahlensymbolik im musikalischen Werk Bachs beschäftigt, wird auch in dieser Kantate
fündig. Die Zahl 14 – sie steht für die Buchstabenfolge B-A-C-H - taucht häufig auf. Ja, zahlensymbolisch
findet sich in dieser Kantate sogar der volle Name „Johann Sebastian Bach“. Bach sieht sich als persönlich
Angesprochener, der zur Liebe herausgefordert ist. Er selbst ist von Gott in der Taufe bei seinem
Namen gerufen – und damit gehört er zu denen, „die sich von Christo nennen“.
Aufführung der Kantate
Predigt II
Liebe Gemeinde,
zurzeit haben wir wirklich ausreichend mit uns selbst zu tun. Eine Krise folgt der anderen. So schön das
Wetter im Urlaub sein mag: die Auswirkungen der Klimakrise werden so rasant sichtbar, wie wir uns das
vor einigen Jahren noch nicht vorstellen konnten. Eine Regierung, die sich umfassend um das Klima
kümmern wollte, sieht sich gezwungen, Laufzeiten von Kernkraftwerken zu verlängern, Kohlekraftwerke
wieder in Betrieb zu nehmen und die sich scheut, Eingriffe beim Straßenverkehr vorzunehmen, weil sie
nicht noch weiteren Anlass für Widerstände und Unruhen geben möchte.
Seit mehr als einem halben Jahr tobt der Krieg in der Ukraine und es ist kein Ausweg sichtbar, um diesen
völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Angriff zu stoppen außer durch immer mehr Waffenlieferungen.
Und nach vielen Jahrzehnten spüren wir hautnah, welch zerstörerische Auswirkungen dieser
Krieg auch für uns hat.
Immer noch sind wir verunsichert wegen dieses Virus, der die letzten zweieinhalb Jahre so vieles in Frage
gestellt hat und uns die Zerbrechlichkeit unseres vermeintlich so sicheren Lebens vor Augen geführt
hat. Junge Menschen und alte Menschen leiden nach wie vor unter den Folgen von Lockdowns und Isolation.
Noch wissen wir nicht, wie unsere Gas- und Stromrechnungen in diesem Winter ausfallen werden – wir
wissen aber, dass der Staat nicht alles auffangen und ausgleichen kann, trotz drittem Entlastungspaket.
Und die politische Großwetterlage gibt kaum Anlass für Zuversicht. Die uns so vertraute Demokratie ist
in manchen Staaten dieser Erde massiv gefährdet. Und selbst bei uns sind Verächter dieser manchmal so
mühsamen Form des Interessenausgleiches auf dem Vormarsch -und finden Zulauf bis in die Mitte unserer
Gesellschaft.
Und dann sind da ja auch noch die ganz persönlichen Krisen, die in der Regel kaum jemand sieht.
Ja – wir haben zurzeit wirklich ausreichend mit uns selbst zu tun.
Und dann dieser Vorhalt, ja Vorwurf: „Wo bleibt die Barmherzigkeit?“ Eure „Herzen sollten liebreich
sein, sie sind härter als Stein.“
Müssen wir uns das vorhalten lassen, jetzt, wo wir doch ausreichend mit uns selbst zu tun haben?
Ja. – Ja. Denn wann braucht diese Welt mehr Barmherzigkeit als gerade jetzt? Wann brauchen die Menschen
um uns herum mehr „liebreiche“ Herzen als mitten in den Krisen, in denen wir uns befinden?
Der Auftrag, barmherzig zu sein, ist nicht in unser Belieben gestellt. Er gehört zum Grundauftrag einer
jeden Christin, eines jeden Christen. Erst daran erweist sich eine Christin, ein Christ. Und der Auftrag ist
klar. Unsere Vorväter und Vormütter haben die so genannten „Werke der Barmherzigkeit“ aus der großen
endzeitlichen Rede Jesu im Matthäus-Evangelium entnommen: Hungrige speisen - Obdachlose beherbergen
- Nackte bekleiden - Kranke besuchen - Gefangene besuchen - Tote begraben - Almosen geben.
Wir könnten jetzt jedem dieser Werke nachgehen – und uns würden unendlich viele Handlungsfelder
einfallen, wo wir als Christinnen und Christen gefordert sind. Ich möchte an dieser Stelle nun aber mit
zwei möglichen Missverständnissen aufräumen, die immer wieder auftauchen:
Das erste Missverständnis: Es gehörte zu den reformatorischen Grundeinsichten Luthers, dass der
Mensch sich sein Seelenheil nicht durch gute Werke verdienen kann. „Allein aus Glauben“ wird der
Mensch gerecht, nicht durch seine Leistungen. Daran ist nicht zu rütteln. Der Aufruf, nein, die Verpflichtung
für jede Christin und für jeden Christin, Barmherzigkeit zu üben, ändert daran nichts. Aber von dieser
Verpflichtung sind wir durch das „Allein aus Gnaden“ nicht entlassen. Wenn es in den Seligpreisungen
heißt „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“, dann geht es nicht
um ein Belohnungssystem. Es geht vielmehr um eine Zustandsbeschreibung: so ist es. Wir werden selig
sein – genauer übersetzt heißt es: wir werden glücklich sein – wenn wir barmherzige Menschen sind,
Barmherzigkeit leben.
Und das zweite Missverständnis: Schon die ersten Christengemeinden haben diesen Auftrag zur Barmherzigkeit
delegiert und professionalisiert. Als deutlich wurde, wie groß die Not und die Hilfsbedürftigkeit
der Mitmenschen war, da haben die Apostel den Stephanus ausgewählt und ihn mit der Armenfürsorge
beauftragt. Das war die Geburtsstunde der Diakonie und des Berufes der Diakoninnen und Diakone.
Delegation und Professionalisierung geschieht in der Diakonie bis heute. Die Diakonischen Werke in
den Gemeinden, den Kirchenkreisen und in den Landeskirchen leisten professionelle Hilfe für Hilfsbedürftige.
Dazu die freien diakonischen Träger und Einrichtungen. Und das auf vielen Handlungsfeldern:
die Wohnungslosenhilfe, die kostenlosen Mahlzeiten, die Lebens- und Konfliktberatungen und die
Schuldnerberatung, die ambulante Pflege, die Krankenhäuser und Altenheime, die Behindertenhilfe und
die Begleitung von Suchtkranken und… und…
Viele kleinere und zwei ganz große Träger haben wir in Hannover: Diakovere mit gut 4.000 Mitarbeitenden,
die Dachstiftung Diakonie mit fast 5.000 Mitarbeitenden. Und hier wird ohne Unterscheidung geholfen,
so wie es in der alten Sprache der Kantate heißt: „Er sei auch, wer er sei, Freund oder Feind, Heid
oder Christ.“ Dass die Finanzierung dieser diakonischen Leistungen durch die Sozialversicherungsträger
und öffentliche Mittel geschieht, entspricht dem deutschen Sozialsystem. Aber es ist die Kirche, es sind
die Gemeinden, die hier ihrem Auftrag zur Barmherzigkeit nachkommen. Inzwischen sind längst nicht
mehr alle Mitarbeitenden in der Diakonie Kirchenmitglieder, es arbeiten auch Menschen anderer Religionen
in der Diakonie. Aber sie alle verpflichten sich auf den diakonischen Auftrag, dem Auftrag zur
Barmherzigkeit. Diese diakonischen Einrichtungen gibt es nicht neben der Kirche, sie sind Kirche, die
dort ihrem Auftrag zur Barmherzigkeit nachkommt.
Diese Delegation und Professionalisierung ist gut und notwendig. Aber sie entlastet uns Christinnen und
Christen nicht davon, je an unserem Platz, je in unserer Umwelt, je für die Menschen, denen wir begegnen
und die wir im Blick haben, zu barmherzigen Samariterinnen und Samaritern zu werden.
Darin liegt eine große Verheißung: glücklich werden die sein, die barmherzig sind. Oder wie es in der
Kantate heißt:
„Hände, die sich nicht verschließen, wird der Himmel aufgetan.
Augen, die mitleidend fließen, sieht der Heiland gnädig an.
Herzen, die nach Liebe streben, wird Gott selbst sein Herze geben.“
Manche Kantate erschließt sich nicht beim ersten Hören. Man muss Text und Musik durchdringen,
damit ihre Botschaft, das Evangelium uns erreicht und anspricht.
Darum: „Ihr, die ihr euch von Christo nennet“, seid barmherzig!
So wie Euer Gott mit euch barmherzig ist.
Amen.