Sonntag, 17. April 2022, Predigt | Musikalischer Abendgottesdienst am Ostersonntag

Blumenpredigten – von der wirkenden, schöpferischen Natur

„Das Samenkorn – Die Auferstehung“

Musik: Kantorei St. Johannis Hannover
Predigt und Ltg.: Pastorin Martina Trauschke

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Es ist mir eine Freude, das Thema der Blumenpredigten für 2022 anzukündigen. Ein wunderbarer Grund ist das Hochzeitsfenster mit dem vielfältig, farbenfreudigen Blumenkranz, das Herzog Johann Friedrich bei seiner Hochzeit mit der Herzogin Benedicte 1669 der Hof- und Stadtkirche stiftete. Ein zweiter Grund ist die Entdeckung der Tradition der Pflanzenpredigten in der evangelischen Kirche, die Schönheit der Blumen wurde zur Inspiration ihrer symbolischen Bedeutung. Lassen Sie sich von Blumen und Blüten überraschen, ihrer sinnenhaften Schönheit und ihrem symbolischen Sinn. Inspiration zu dieser Gottesdienstreihe.

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Musikalischer Abendgottesdienst an Ostersonntag –

In der Reihe der Blumenpredigten: Das Samenkorn

Im musikalischen Abendgottesdienst an Ostersonntag, den 17. April, um 18h wird die Kantorei St. Johannis gemeinsam mit dem Barockorchester Cappella Santa Croce und Solisten (Claudia Erdmann (Alt), Christian Volkmann (Tenor), Friedrich Hamel (Bass)) die Bachkantate Erfreut euch, ihr Herzen BWV 66 aufführen. Die Aufführung leitet unser neuer Kantor, Jonathan Hiese. Eine Besonderheit dieser Aufführung im Gottesdienst wird sein, dass – wie es zu Bachs Zeiten auch üblich war – die große Thomas-Orgel als Continuo-Instrument, also als Teil des Orchesters, erklingen wird.

Liturgie und Predigt werden von Pastorin Martina Trauschke gestaltet.

Herzliche Einladung!

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GOTTESDIENST feiern wir – gemeinsam auf Abstand! Wir haben momentan 208 Sitzplätze in der Kirche. Bitte setzen Sie sich nur auf die zugewiesenen Plätze! Bitte betreten Sie die Kirche nur mit Mundschutz! Bitte halten Sie Abstand zueinander!

AKTUELLE CORONA-HINWEISE
Die elektronische Anmeldepflicht erstrecken wir auf alle Gottesdienste. Bewährt und einfach geht das über den Link: https://hofundstadtkirche.gottesdienst-besuchen.de. Mit der Anmeldung haben Sie eine Zusage für einen oder zwei Sitzplätze. Eine bestimmte Platzreservierung ist damit nicht verbunden.
Erforderlich ist weiterhin das Tragen einer medizinischen Maske (nach Möglichkeit einer FFP2 Maske, sonst auch einer OP-Maske) für den gesamten Gottesdienstbesuch, also auch am Sitzplatz. Nur so darf auch während des Gottesdienstes mitgesungen werden.

Um die nötigen Abstände zu wahren, sind viele Stühle mit Bändern gesperrt. Sie können sich leider nur auf einen Stuhl ohne Bänder setzen! Links im Kirchenschiff befinden sich Einzelplätze. Auf der rechten Seite jeweils zwei Plätze für Personen aus demselben Haushalt. Auf der Empore markieren grüne Zettel die verfügbaren Sitzplätze.
Wenn Sie keinen Zugang zum Internet haben sollten, bringen Sie bitte einen bereits ausgefüllten Anmeldezettel mit Namen, Anschrift und Telefonnummer mit. Sie finden diese in der Kirche zum Mitnehmen für Ihren Besuch.
Die Anmeldungen werden entsprechend den Datenschutzbestimmungen nur für Nachfragen des örtlichen Gesundheitsamts aufbewahrt und zu keinem anderen Zweck verarbeitet. Sie werden nach drei Wochen vernichtet.

PREDIGT:

Predigt am Ostersonntag, 17. April 2022 in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in der Reihe der Blumenpredigten

Pn. Martina Trauschke

‚Das Samenkorn und das Veilchen‘

Liebe österliche Gemeinde,

welchen Geruch wird Maria von Magdala eingesogen haben als sie zum Friedhof, auf dem sie Jesu Grab suchte, kam? In dieser Jahreszeit im beginnenden Frühjahr umschweben den Besucher, wenn er einen Friedhof betritt, belebende Düfte: Narzissen, Vergißmeinnicht, Buschwindröschen, Magnolien, Blausternchen, Hyazinthe, Märzenbecher. Maria von Magdala wird aber keine Aufmerksamkeit für den sie anwehenden Duft übrig gehabt haben. Ihre Trauer füllt alle Wahrnehmung aus; so jedenfalls ist es, als sie ankommt. Traurigkeit, Fassungslosigkeit, schmerzliche Verlustgefühle – davon ist sie erfüllt, selbst ihr Blick ist davon getrübt.

Plötzlich aber ist sie angesprochen von dem, der ihr wie entrissen schien. Ihr Hören ist scharf und genau. Ihr entgeht nicht die Melodie, in der der Gesuchte ihren Namen nennt und nicht die Direktheit, in der sie weiß, sie ist angesprochen. Erst lange nachdem sie zurück ist von ihrem Aufsuchen des Jüngerkreises und wieder zu Hause in der Ruhe des Nachempfindens ruft sie das Geschehene auf dem Friedhof wieder ins Gedächtnis und die wohltuenden Düfte der Blumen mögen nachklingend in der Erinnerung aufgetaucht sein.

Dieser Wohlduft mag immer zu der österlichen Begegnung gehört haben. Der Evangelist Johannes sagt dazu nichts, aber von Paulus stammt die Verknüpfung des Auferstandenen mit dem Wohlgeruch: ‘ein Geruch des Lebens zum Leben‘ (2. Korinther 2, 14 – 16). Von der Erkenntnis des Glaubens geht dieser Wohlgeruch aus; in diesem Augenblick, in dem der Glaube sich einstellt wie bei Maria von Magdala, als sie sich angesprochen weiß, ist der Wohlgeruch wahrnehmbar.

Ein Geruch des Lebens zum Leben geht von der Auferstehung Christi aus. Paulus, der strenge Begriffsfinder des christlichen Glaubens schreckt nicht davor zurück, die geistige Erfahrung durch eine Erfahrung in der Natur nahe zu bringen. Und nach ihm haben das viele Christen getan, auch gerade die Pastoren in der Zeit nach der Reformation. Vom thüringischen Pfarrer Martin Pezold ist aus dem Jahr 1618 eine Osterpredigt über das Veilchen überliefert. Das Veilchen nennt er das Osterblümlein als schönes Bild für den Herrn Christus.

Ich hatte die Absicht Ihnen heute ein duftendes Veilchen mitzubringen und auf den Altar zu stellen, aber da das Osterfest recht spät im April liegt, sind die duftenden Blüten schon verblüht in den letzten Tagen. Insofern appelliere ich an Ihre innere Vorstellungskraft, in der Sie sich duftende Veilchen vergegenwärtigen. Wie wurde das Veilchen zum Osterblümlein? Die zwei Farben der Blüte, das Violett der Blütenblätter zeigt die menschliche Natur Christi, die blauen Flecke, sein Leiden, dem er auf dem Weg zum Kreuz ausgesetzt war. Der gelbe Blütenschlund des Veilchens verweist auf seine göttliche Natur, die als Glanz und Leuchtkraft aus der Mitte scheint.

In seiner Predigt beschreibt Pezold wie nur wenige Veilchen genügen, einen ganzen Raum mit ihrem Duft zu erfüllen und jeden unangenehmen Duft zu vertreiben. Diese Wirkung vergleicht er mit den menschlichen Handlungen: Wenn die Sünde, das Fehlverhalten zu stinken beginne, dann möge man sich am Geruch der Osterblümlein orientieren, in dem die Kraft des Auferstandenen erlebbar werde. Ein herrliches Bild: Das schlecht gelüftete Innere wird durch Veilchenduft erfrischt. Die stehende Luft der Sorgen – ob es die persönlichsten sind oder die, die uns gemeinsam beschäftigen wie das Leid der Menschen in der Ukraine und wie es Frieden werden kann. Die stehende Luft der Sorgen mit ihren Folgen wie Traurigkeit oder Herzrasen, werde durch den angenehmen Duft gelindert und vertrieben. Auch aus der Ohnmacht, die zwar bei uns etwas aus der Mode gekommen ist, hole der Veilchenduft einen heraus. Schon der Kirchenvater Gregor von Nyssa sagte seinen Predigthörerinnen: So oft du die blauen Veilchen siehst, denke daran, daß sie der Geruch Christi sind.

Von den Veilchen und von den vielen Frühlingsfarben und Blumen lassen wir uns gern einnehmen und umstimmen und genießen sie mit allen Sinnen. Und doch ist das Osterfest keine Frühlings- und Blumenfeier. Die Natur, das Veilchen und das Samenkorn sind Brücken, die von der sinnlichen zur geistlichen Wahrnehmung führen. Das Samenkorn als Bild der Auferstehung fügt noch eine Dimension hinzu: die der Verwandlung. Denn ein Samenkorn, ein Weizenkorn bringt nur Frucht, wenn es in die Erde gelegt wird und im Dunkel der feuchten Erde den Verwandlungsprozeß zu neuer Frucht vollbringt und geschehen lässt. Diese Verwandlung ruft den Widerstreit zwischen Furcht und Hoffnung hervor wie wir ihn in der gehörten Kantate dargestellt gehört haben. Die Verwandlung umfasst die Auflösung und die Neubildung. Christus ist nicht der unverletzte Sieger, er ist der Verwandelte. In allen Begegnungen mit dem Auferstandenen gibt es darum beides: aufseufzendes Wiedererkennen und unerwartete Fremdheit, so bei Maria, wenn sie hört: ‚Rühre mich nicht an‘. Der Tod ist verschlungen in den Sieg, so sagt es Paulus.

Der Osterglaube, die Herrlichkeit und die Kraft des Auferstanden kommt zu uns durch diese schmerzhafte Verwandlung hindurch, dann aber mit reichen und herrlicher Frucht. So greift Martin Luther das Beispiel des Samenkorns in einer Predigt auf; bei ihm ist es ein Kirschkern.

‚Item wie ein einziger Kirschkern in die Erde geworfen, einen solchen Baum herausbringt, so viele Blüten, Blätter, schale und Kirschen trägt, item meine Stimme sich in so viel Ohren gibt, viel mehr kann Christus in so viel Stücklein sich ganz und ungeteilt austeilen.‘

Die Auferstehung Christi ist ein Zuruf, den Mut für die Verwandlungen, die in uns anstehen, zu stärken und das Veilchen und das Samenkorn sind Bilder für diese Ermutigung zum unvergänglichen Leben mitten im Sog der Endlichkeit. Wenn Furcht und Hoffnung sich ausgedrückt und ausgesungen haben wie in der Kantate und in den Kämpfen des eigenen Herzens, erklingt das Halleluja; erklingt die Antwort auf den auferstandenen Christus, von dem der Wohlgeruch des Lebens zum Leben ausgeht.