10. Januar 2021 | Predigt, Kantaten-Gottesdienst »Bach um fünf« zum Neujahr

Gottesdienst | Werk: BWV 155 „Mein Gott, wie lang, ach lange“ | Musik: Vokalensemble St. Johannis, Ltg. und Orgel: Michael Čulo | Predigt: Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes | Ansprache des Vorsitzenden des Kirchenvorstands Dr. Ingo Luge. Der geplante Neujahrempfang kann leider dieses Jahr nicht stattfinden.

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Auch im 14. Jahr Bach um fünf gibt es noch einige Kantaten aus Johann Sebastian Bachs reichem kompositorischen Schaffen, die noch nicht in der Neustädter Kirche erklungen sind. Freuen Sie sich auf Schätze, die es zu entdecken gilt. Neu ist auch der Blick zeitgenössischer Komponist*innen auf das Werk des großen Barockmeisters. In den encounters with Bach – den Begegnungen mit Bach, zeigen sie uns, was ihnen Bach zu sagen hat und was sie zu Bachs Werk zu sagen haben. Feine neue Werke erwarten Sie. Sie werden Ohren machen!

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PREDIGTTEXT VON RAINER MÜLLER-BRANDES:

Johannes 2, Hochzeit zu Kanaa

Liebe Gemeinde, 

das ist zwar nicht mehr unsere Sprache, aber wir finden uns ja sofort wieder. In dem „ Mein Gott, ach wie lange, wie lange noch?“ der Sopranistin. 

Wir können das füllen: 

Endlich geht es los mit dem Impfen. Nur, wie lange dauert es, bis es bei uns ankommt? Und wie entwickeln sich die Zahlen bis dahin? 

Am Rande: ich finde, wir sollten als Kirche einen Fahrdienst einrichten, Impfpaten suchen für die, die nicht zu den Impfzentren kommen. 

Aber weiter: Wie lange werden Schulen geschlossen sein? Die Jugendlichen, ich spreche aus Erfahrung, sitzen zu Hause, der Computer ist die letzte Rettung. 

Oder: „Wann kann ich die Uni zum ersten Mal von innen sehen?“ fragte mich jetzt die Studentin im ersten Semester. Und der Kleinunternehmer überlegt: „Wie lange halte ich das noch aus?“ 

„Um Trost ist mir sehr bange“- heißt es weiter in diesem ersten Teil des Rezitativs. Was tröstet uns? In diesem  Zusammenhang: Sollten wir die Gottesdienste lieber absagen? Weil die Ansteckungsgefahr groß ist? Keine einfache Entscheidung: Ich bekomme solche Post: „Herr Stadtsuperintendent., sagen Sie alle Gottesdienste endlich ab.“ 

Ich sehe das anders. So wie wir das hier machen, ist das verantwortbar. Ansteckung findet glaube ich mehr in kleinen Räumen ohne Maske statt. Aber das kann man streiten. 

Und deshalb passt auch der weitere Text: 

„Der Tränen Maß wird stets voll eingeschänkt“- 

Seit 10 Monaten werden Todeszahlen bald täglich verlesen und unsere Haut wird dünner. Es fasst uns an. Inzwischen kennen wir alle Menschen, die sich infiziert haben. 

Deshalb stellt unsere Gesellschaft zu Recht unsere Gesundheit an eins. 

Nur -was mit der Seele? Sollte die nicht auch gesund bleiben?  Unsere Seelen sind am Limit. Was tröstet uns? 

Wir sind für Abstand nicht gemacht. 

„Der Freuden Wein gebricht, mir sinkt fast alle Zuversicht.“ So endet der 1. Teil der Kantate und man könnte fast meinen, es wäre heute geschrieben, wenn man liest, dass in London die Inzidenzzahl bei 1000 ist. Was für ein Jahresbeginn. 

Gut, liebe Gemeinde, gut, dass der Libretisst kein Pessimist, sondern ein Christ war. 

Gut, dass wir am Jahresbeginn von Bach um 5 eben noch den zweiten Teil der Kantate hören durften. „Du musst glauben, du musst hoffen“. 

Liebe Gemeinde, gut, dass wir nicht allein in der Welt unterwegs sind. Gut, dass wir uns nicht selbst erlösen müssen. Wie schwierig das ist, wo vieles an Ablenkungen wegfällt und nur noch netflix bleibt, merken wir gerade. 

„Du musst glauben, du musst hoffen, Du musst gottgelassen sein, Jesus weiß die rechten Stunden dich mit Hilfe zu erfreuen“.

Und damit sind wir mitten im Predigttext. 

Der Hochzeit zu Kana. 

Es wird gefeiert, getanzt, getrunken, liebe Gemeinde, das machen wir in diesem Jahr auch wieder, einverstanden? 

Aber dann ist der Wein auf einmal alle. 

Kennen wir auch: Gerade läuft es bei einem selber, sei es privat, bei der Arbeit, gesundheitlich, -und dann kommt irgendetwas Unerwartetes, was wir so gar nicht gebrauchen können.

Und jetzt? 

Der dritte Teil gleich, wieder als Rezitativ, nimmt das auf:  

„Er prüfet durch Leiden deine Liebe.“

Was ist das denn- Leiden als Prüfung? Mal ehrlich: Ist das noch zeitgemäß? 

Ich glaube, liebe Gemeinde, es ist gut, diese Frage nicht gleich wegzulegen.  Sondern zumindest offen zu halten. Denn in dem bloßen, in dem harten „Warum“ kann etwas verborgen liegen. 

Kann etwas verborgen liegen, das für das Überlegen, das Weiterleben der eigenen Seele unendlich wichtig ist. Es kann, aber es muss nicht. 

Denn, liebe Gemeinde, wer nach dem Warum fragt, der hat noch nicht aufgebeben. Wer Worte findet für den Schmerz und die Wut, ringt um einen Sinn, wagt eine Sehnsucht, hofft auf etwas, ohne zu wissen, was es genau sein könnte. 

So zu fragen, liebe Gemeinde, führt aus der Erstarrung in die Bewegung. Es muss nicht, aber es kann dann vieles Raum und Ausdruck finden: Zorn und Stille, Protest und Warten, Nachdenken  und Meditieren. 

Und so passt erst mal auch Jesu Antwort bei der Hochzeit, als der Wein alle war, auf das Unerwartete: „Was geht’s dich an, was ich tue. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ 

Und nun? 

Und nun schauen wir auf die Arie, den 4.Teil: Die Sopranistin singt: 

„Wirf, mein Herze, wirf dich in des Höchsten Liebesarme. Dass er deiner sich erbarme.“ 

Liebe Gemeinde, wir Christen haben uns dafür entschieden. Wir haben uns dafür entschieden, auch im neuen Jahr nicht alleine durchs Leben gehen zu wollen. Wir haben uns dafür entscheiden, fröhlich Anteil am Schönen der Welt zu haben, und wir wissen, wir haben auch Anteil am Leid. Zusammen mit ihm. 

Denn wenn wir Gott darin ernstnehmen, dass er auch heute noch etwas mit dieser Welt zu tun hat, dann kommen wir nicht daran vorbei, dass Gott auch in Situationen der Angst und Not verantwortlich ist. Verantwortbar zu machen ist. Ansprechbar ist. 

So wie Maria das tut: Sie  bittet Jesus bei der Hochzeit ganz aufrichtig und wird erst mal abgewiesen. 

Noch mal: Gott ist uns Menschen nicht verfügbar. Er erfüllt Wünsche nicht so, wie wir wollen. Das ist bitter, das ist ungerecht, aber bitte: Das ist kein Grund, sich abzuwenden.  

Maria macht es auch nicht: Sondern sagt: „Was er euch sagt, das tut“. Sie gibt nicht auf, sondern sie gibt ab 

-und vertraut darauf, dass Jesus tun wird, was in seinen Augen das Richtige ist. 

„Dein Wille geschehe!“. 

„Nicht so wie ich will, sondern wie du willst!“.

Nie leicht, aber unendlich erleichternd, wenn wir das sagen können. 

So wie es der Schlusschoral tut: 

„Sein Wort lass dir gewiss sein. Und ob dein Herz spräche laut Nein, so lass dir doch nicht grauen.“ Damit schließt die Kantate.

Liebe Gemeinde, das nehme ich mit: 

Gott wird nie akzeptieren, dass die Welt sinnlos vor sich hin taumelt. Deshalb braucht er uns, Menschen wie Sie und ich, die bereit sind zu glauben. Die bereit sind, einzustehen für eine bessere Welt. Die bereit sind, als seine Arme und Beine unterwegs zu sein. Bei denen, die verzweifeln. Bei denen, denen es schlecht geht. Die einsam sind. 

Die Speisemeister unserer Zeit sagen: Gott ist tot, wir müssen alleine klar kommen. 

Der Speisemeister der Hochzeit zu Kana erlebte es anders. Er  vertraute und erlebte, wie gut es ist, mit Gott unterwegs zu sein. 

„Das ist das erste Zeichen, was Jesus tat und die Jünger -glaubten ihm.“ So heißt es bei Johannes. 

Und dieses erste Wunder, ehrlich gesagt, es macht Appetit auf mehr. 

Vertrauen wir darauf, setzen wir darauf, liebe Gemeinde, dass unser Gott uns auch in diesem Jahr immer wieder neuen Wein einschenkt. 

Setzen wir darauf, dass wir nicht allein unterwegs sind, 

sondern mit Gott in dieses herausfordernde, schwierige, aber sicher auch immer wieder gute Jahr gehen können. 

Amen 

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GOTTESDIENST feiern wir jetzt – gemeinsam auf Abstand Unter den Bedingungen, die das Land Niedersachsen beschlossen hat! Wir haben momentan 208 Sitzplätze in der Kirche (inkl. Leibnizsaal und Galerie). Bitte setzen Sie sich nur auf die zugewiesenen Plätze! Bitte betreten Sie die Kirche nur mit Mundschutz! Bitte halten Sie Abstand zueinander!

  • Für diesen Gottesdienst rechnen wir mit vielen Besuchern. Daher ist eine elektronische Anmeldung über folgenden Link https://hofundstadtkirche.gottesdienst-besuchen.de/ erforderlich. Es können nur Einzel- oder Zweierplätze gewählt werden. Bitte bringen Sie dann unbedingt Ihre Reservierungsbestätigung mit Ihrer dort vergebenen Kennzahl (ausgedruckt oder per Handy) zum Gottesdienst mit.
  • Bitte halten Sie schon beim Warten am Einlass und beim Ausgang den Abstand zum Nachbarn.
  • Am Eingang zeigen Sie bitte Ihre Reservierungsbestätigung den Kirchenvorsteher/innen und Helfer/innen. Diese werden Sie auf einen freien Platz bringen.
  • In unserer Kirche kann man sich nur auf Einzel-, manchmal Zweierplätze setzen und so kann auf Grund dieser Anordnung keine Verschiebung für Familien/Kleingruppen vorgenommen werden. Darum bitten wir auch die Eltern sich daran zu halten und Kinder auf den Schoß zu nehmen. Ein durch die Kirche laufen und auch vorne auf den Altarstufen stehen und sitzen erlaubt die Hygieneordnung leider nicht.
  • Ein auch unter diesen neuen Bedingungen stattfindendes gesegnetes und schönes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihre Kirchengemeinde.
  • Das Kontaktformular, siehe unten, kann ausgedruckt und ausgefüllt mitgebracht werden. Es besteht dann allerdings keine Garantie, dass noch ein Platz vorhanden ist.
Ich/wir nehmen am Gottesdienst am 24.12.2020 um 17 Uhr teil.
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Kontaktformular – Tabelle bitte mit der Maus markieren und dann ausdrucken und mitbringen!