24. Dezember 2020 | Predigt, Weihnachtsgottesdienst

Christvesper

Gottesdienst | Orgel: Michael Čulo | Liturgie und Predigt: Pastorin Martina Trauschke

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Predigt am Heiligabend 2020

Liebe weihnachtliche Gemeinde!

Welch gänzlich unerwartetes Jahr sitzt uns in den Knochen, so wie wir jetzt am Heiligabend hier zusammen sind. Das Corona Virus und seine Wirkungen haben uns in unserem Glauben an die Beherrschbarkeit unserer Welt durch Technik und Wissenschaft unterbrochen. In der Erschütterung durch ein unerwartetes Dunkel stehen wir noch immer auch am Ende des Jahres, ja die Unruhe hat noch weiter zugenommen. 

Wie eine schwere Decke liegen Sorgen und Ängste auf uns angesichts der Ungewißheit der weiteren Entwicklung und der ungewissen Hoffnung, uns wieder in Freizügigkeit im öffentlichen Leben bewegen zu können.

Für die notwendigen Regelungen des täglichen Lebens trifft die Politik Sorge. Was aber ist mit den Auswirkungen auf unsere Seele, unser Fühlen und Empfinden? Manche Menschen reden nicht gern über ihr Inneres. Und doch ist es befreiend, die inneren Regungen im Miteinander-Sprechen auszudrücken. Ein Weg, den das Innere nimmt, ist der Traum. Unsere nächtlichen Träume zeigen uns unwillkürlich diese innere Welt in der Komplexität der Stimmungen, der Ängste, der Wünsche, der Hoffnungen; formen manchmal in Bildern Schlüsse und zeigen Wege. 

Ist es Ihnen auch so ergangen, daß Ihre Träume sich seit der Corona Zeit verändert haben? Gebotener Abstand, verbotene Nähe, die ungewisse Bedrohung sind tief in uns eingedrungen. Die Unruhe bekommt Bilder im Traum und mit den Bildern des Traums wird es möglich über das schwer Greifbare zu sprechen. 

Auch in der Geschichte von Christi Geburt gibt es bedeutende Träume; nicht in der Version, die Lukas erzählt wie wir sie gehört haben, sondern in der Version des Evangelisten Matthäus. Es ist Josef, der nachts träumt. Er ist von Unruhe und Ungewißheit über die Schwangerschaft Marias tief verunsichert. Sein Traum ist allerdings nicht einfach eine Wiederholung dessen, was ihn beschäftigt, sondern geradezu die Verwandlung seiner Unruhe. Im Traum hört er eine Lichtgestalt zu ihm sprechen: „Josef, sei nicht furchtsam. Nimm Maria deine Frau zu dir, denn was sie empfangen hat, ist vom heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben.“ 

Nicht jeder Mann würde nach diesem Traum beruhigt sein. Josef aber weiß jetzt mit instinktiver Sicherheit seinen Weg. Diese so kurz erzählte und doch so dramatische Wandlung hat der Maler Rembrandt offenbar fasziniert und zu einem Gemälde angeregt. 1645 ist es entstanden. 

Maria mit dem Neugeborenen und Josef sind in einem Stall untergekommen und finden im Stroh Ruhe und Schlaf. Beide sind tiefenentspannt schlafversunken. Wach ist einzig ganz rechts im Bild der Ochse, der sich mit offenem Maul bemerkbar macht und geradezu ins Bild drängt. 

Wie kann ein Maler den Vorgang des Träumens zeigen? Rembrandt erzählt das Träumen durch seine Handhabung des Lichtes. Es ist Nacht, es gibt kein natürliches und kein künstliches Licht. Falls es eine Öllampe im Stall geben sollte, ist sie ausgelöscht. Das Licht, das er zeigt, ist von anderer Natur. Es zeigt die innere, seelische, emotionale Wirklichkeit. Entsprechend ist die einzige Lichtquelle ein Engel; ein Licht aus dem Unsichtbaren. Einen Nachschein gibt es an der Öffnung der Decke und an den Wänden bis hin zu Maria im Vordergrund. Rembrandt ist kein bißchen interessiert, ob Maria schön und jung ist. Das zu zeigen läßt sich so schnell kein Maler entgehen. Rembrandt aber möchte allein die unsichtbare Welt der Gefühle und Gedanken sichtbar machen. 

In der Ruhe der Heiligen Nacht öffnet er uns den Ort, an dem die tiefen, uns bewegenden Gefühle, die uns mit dem Leben auf der Erde und mit unseren nächsten Menschen verbinden, wahrgenommen werden können. Gefühle, die im Alltag oft überdeckt von Stimmungen, von Aufregungen, wie wir es in den letzten Wochen besonders stark durchlebt haben. Wir konnten die Erfahrung machen, daß nicht nur das Virus ansteckend ist; auch Stimmungen sind ansteckend und können vieles überdecken. 

Matthäus erzählt uns, wie Josefs Stimmung ihm nahelegt, Maria zu verlassen. Erst im Traum fand er Zugang zu einer umfassenderen Wahrnehmung seiner Lage und änderte so sein Handeln. 

An diesem Weihnachtsfest werden wir auf manche uns liebe Gewohnheiten verzichten. Es heißt aber nicht, daß wir dadurch ärmer werden an Weihnachtsfreude, ich möchte sagen, an Weihnachtsaufmerksamkeit. Die Zahl der Menschen, die wir treffen, sagt noch nichts über die Qualität der Gespräche, auf die wir uns einlassen. Die beruhigten Festtage eröffnen Raum zur Konzentration und schöpferischer Begegnung, vielleicht auch schöpferischer Selbstbegegnung. Davon nämlich erzählt eine der schönsten Weihnachtsgeschichten aus dem 19. Jahrhundert von Charles Dickens. Ein Mann namens Scrooge hat sich durch seine Lebenserfahrungen verhärtet. Seine Gedanken und Einfälle führten ihn in immer beklemmendere Enge. Bis plötzlich am Weihnachtsabend in Nacht und Traum ihm die Gestalten begegnen, die er einmal war, als seine Seele noch weicher und aufnahmefähiger war. In dieser zunächst qualvollen Konfrontation wird es wieder weit und lebendig um ihn und er wacht aus der bedrängenden Selbstbegegnung befreit zu einer neuen Lebenshaltung auf. Ein Traumbruder von Josef. Laßt uns alle Traumgeschwister von Josef werden und dem lichten Engel Raum und Wirkung geben. 

Träumen Sie weihnachtlich! Amen.

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GOTTESDIENST feiern wir jetzt – gemeinsam auf Abstand Unter den Bedingungen, die das Land Niedersachsen beschlossen hat! Wir haben momentan 208 Sitzplätze in der Kirche (inkl. Leibnizsaal und Galerie). Bitte setzen Sie sich nur auf die zugewiesenen Plätze! Bitte betreten Sie die Kirche nur mit Mundschutz! Bitte halten Sie Abstand zueinander!

  • Für diesen Weihnachtsgottesdienst rechnen wir mit vielen Besuchern. Daher ist eine elektronische Anmeldung über folgenden Link https://hofundstadtkirche.gottesdienst-besuchen.de/ erforderlich. Es können nur Einzel- oder Zweierplätze gewählt werden. Bitte bringen Sie dann unbedingt Ihre Reservierungsbestätigung mit Ihrer dort vergebenen Kennzahl (ausgedruckt oder per Handy) zum Gottesdienst mit.
  • Bitte halten Sie schon beim Warten am Einlass und beim Ausgang den Abstand zum Nachbarn.
  • Am Eingang zeigen Sie bitte Ihre Reservierungsbestätigung den Kirchenvorsteher/innen und Helfer/innen. Diese werden Sie auf einen freien Platz bringen.
  • In unserer Kirche kann man sich nur auf Einzel-, manchmal Zweierplätze setzen und so kann auf Grund dieser Anordnung keine Verschiebung für Familien/Kleingruppen vorgenommen werden. Darum bitten wir auch die Eltern sich daran zu halten und Kinder auf den Schoß zu nehmen. Ein durch die Kirche laufen und auch vorne auf den Altarstufen stehen und sitzen erlaubt die Hygieneordnung leider nicht.
  • Ein auch unter diesen neuen Bedingungen stattfindendes gesegnetes und schönes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihre Kirchengemeinde.
  • Das Kontaktformular, siehe unten, kann ausgedruckt und ausgefüllt mitgebracht werden. Es besteht dann allerdings keine Garantie, dass noch ein Platz vorhanden ist.
Ich/wir nehmen am Gottesdienst am 24.12.2020 um 17 Uhr teil.
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Kontaktformular – Tabelle bitte mit der Maus markieren und dann ausdrucken und mitbringen!