Besinnung zum Osterfest 2020

Figur des Auferstandenen Christus in der Hof- und Stadtkirche

Besinnung zum Osterfest 2020 in der Neustädter Hof- und Stadtkirche 

von Pastorin Martina Trauschke

Der Osterruf ‚Christ ist erstanden‘ schallt uns heute Morgen in den Liedern der Trompeten und der Orgeltöne entgegen. Ein Ruf vom Sieg des Lebens. Wie wir danach hungern in diesen Tagen der Angst vor der Ansteckung mit dem Corona Virus und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus. Die Osterfreude drängt dahin, sie anderen mitzuteilen. So tun wir es in einer Form, die unter den gegebenen Umständen möglich ist. 

An der Altarwand der Neustädter Hof- und Stadtkirche grüßt uns die Skulptur des Auferstandenen mit der Siegesfahne des Lebens und seiner Überwindung des Todes. 

‚Nah ist

Und schwer zu fassen der Gott‘

So beginnt ein Gedicht Friedrich Hölderlins, dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr erinnern. Die Anfangszeile des Gedichts ‚Patmos‘ ist wie ein Einstieg in das Nachsinnen über die Gegenwärtigkeit des Auferstandenen. Bei jedem Osterfest stehen wir vor der verstörenden, irritierenden und unerwarteten Begegnung, die die Jünger und Frauen mit dem haben, den sie in tiefer Trauer verloren geben mußten. Der Schock zieht sich durch die Begegnungen des Ostermorgens. Sie alle erleben die schwer erträgliche Unterbrechung. Der Meister, mit dem sie gelebt haben, ist ihrer Nähe und ihrer Sichtbarkeit entzogen. In aller Trauer könnte man sich darauf einstellen. Aber aus der Einstellung auf den Verlust werden sie abrupt herausgerissen mit der verstörenden Gegenwärtigkeit Christi als dem Auferstandenen. Auf das, was ihnen vertraut war, mußten sie verzichten, von jetzt an begegnet Christus ihnen nur noch als der Überraschende. Sie und wir haben Christus ‚nur noch‘ in dieser Spannung von Ferne und unerwartbarer Nähe. 

Nah ist 

Und schwer zu fassen der Gott‘. 

So sagt es Hölderlin. Das erfahren die Jünger und Frauen am Ostermorgen und das erfahren wir so. Im Geist, im Brotbrechen wie die Jünger in Emmaus, erfahren wir plötzlich seine Gegenwart. Für die Jünger ist Ostern der Bruch mit der Sichtbarkeit des Antlitzes Jesu zur Unsichtbarkeit des Geistigen und Erhöhten. Maria Magdalena hört das „Berühre mich nicht“ (Johannes 20).  Das Erkennen kommt nicht mehr wie gewohnt aus der körperlichen Gegenwart im selben Raum. An der physischen Gegenwart ist er nicht mehr zu erkennen. Woran denn? Als Maria Magdalena von Christus mit ihrem Namen gerufen wird, erkennt sie ihn. Da ist die Beziehung wieder da. Die Bezogenheit auf Christus wird verwandelt, aber sie bleibt. 

Der Apostel Paulus hat die Verbundenheit mit Christus in seinem zweiten Brief an die Korinther so ausgedrückt: 

Der Herr ist Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

2. Korinther 3,17

In dieser Verbundenheit mit dem Auferstandenen haben wir teil an seinem Sieg des Lebens. Es ist ein herber Verzicht heute nicht gemeinsam Brot und Wein teilen zu können. Darum halten wir uns an das Osterevangelium von Maria Magdalena. Der Ruf bei unserem Namen durchpulst uns mit neuem Leben in göttlicher Freiheit. Darum können wir so beten:

‚Jesus unser Trost und Leben, der dem Tode war ergeben, der hat herrlich und mit Macht Sieg und Leben wiederbracht: er ist aus den Todesbanden als ein Siegsfürst auferstanden. Halleluja

Er hat ritterlich gerungen, Höll und Teufel überzwungen, kein Feind uns kann schaden mehr ob er tobet noch so sehr. Darum Zion, fröhlich singe und mit voller Stimm erklinge: Halleluja

Nunmehr liegt der Tod gebunden von dem Leben überwunden, wir sind seiner Tyrannei, seines Stachels quitt und frei. Nunmehr steht der Himmel offen, wahrer Frieden ist getroffen. Halleluja

Alle Welt sich des erfreuet, sich verjünget und erneuet; alles, was lebt weit und breit, leget an sein grünes Kleid; ja das Meer vor Freuden wallet Berg und Tal weithin erschallet: Halleluja‘

Schreibe einen Kommentar