Osterbrief von Pastorin Trauschke

Figur des Auferstandenen Christus

Liebe Mitglieder der Hof- und Stadtkirche,


da wir uns zum Osterfest nicht in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis versammeln können, komme ich mit meinem Ostergruß zu Ihnen.
Während ich diesen Osterbrief an Sie schreibe, steht die Magnolie vor meinem Fenster in festlicher Blüte, wie ein Vorschein der Osterstimmung.
Ja, werden wir denn in freudiger Stimmung feiern können, angesichts der drückenden Ungewissheit und Anspannung, die in der Luft und den Straßen und Plätzen unserer Stadt liegt?
Eine Ostergeschichte scheint in diesem Jahr besonders zu uns zu passen. Im Johannisevangelium (Kap. 20, 11-18) ist die berührende Begegnung erzählt, die sich zwischen dem auferstandenen Christus und der tränenblinden Maria von Magdala neben den Gräbern ereignet. Maria ist im Bann ihrer alles erfassenden Trauer um den gekreuzigten Christus, bis sie plötzlich aufgeschreckt wird durch eine Stimme, die ihren Namen ruft. Herausgerufen erkennt sie den, den sie verloren gegeben hatte. Gleich folgt das distanzgebietende Wort: Berühre mich nicht! Auch wir feiern Ostern ohne den Austausch der Freude in festlichen Begegnungen.

Der Abstand, den der Auferstandene gebietet, hat einen anderen Grund. Er ist erhobener und geistiger – so wie wir ihn brauchen, damit er uns berühren, in Freude erheben kann jetzt in unserer Lage. Plötzlich erleben wir, dass wir nicht die Herren der Schöpfung sind, sondern verletzliche sterbliche Menschen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen, in der er uns bei unserem Namen ruft, befreit aus dem Bann der Sorge, der Belastung, der Angst. In der unerwarteten Wendung, die diese Begegnung hervorbringt, teilen wir die Osterfreude und unser Gebet:

Uns überraschender Gott, wir suchen dich bei den Gräbern, die du schon verlassen hast. Wir erkennen dich nicht, selbst wenn du vor uns stehst, bis du uns ansprichst.
Wir wollen uns nicht länger an vertrauten Schmerz klammern, sondern heißen dich willkommen in deinem Geist der Liebe und der Überwindung des Todes. Amen

In der Verbundenheit der Osterfreude grüße ich Sie,

Ihre Pastorin Martina Trauschke

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