17. Februar 2019 | Predigt

Wie mit grimmgem Unverstand

Predigt von Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt über Psalm 107,23-32 und das Lied „Wie mit grimmgen Unverstand“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 592) am Sonntag Septuagesimae – 17 Februar 2019 in der Reihe „Lieder predigen“ – Neustädter Kirche mit der Choralfantasie für Bläser von Marc Waskowiak zu dem Lied

Begrüßung

Du, Vater, ewig starker Halt, Dein Arm packt jede Urgewalt, zeigst auch dem tiefsten Ozean Die ihm bestimmten Grenzen an. So höre uns in Luv und Lee,

Für die, die noch in Not auf See.

Du, Christus, jagst mit klarem Wort Die Angst vor Sturm und Wellen fort.

Kannst schlafen, wenn die Dünung geht, Weißt Wege, wo kein Fuß mehr steht. So höre uns in Luv und Lee,

Für die, die noch in Not auf See.

Du, Geist, schwebst über großer Flut, Schützt wie ein Vogel seine Brut.

Bring die Gewalt auf See zum Stehn, Lass Menschen bald den Frieden sehn. So höre uns in Luv und Lee,

Für die, die noch in Not auf See.

Du, Gott, der dreifach für uns da, Sei bei den Menschen in Gefahr,

in Sturm und Streit, in Last und Leid – Hilf überall, für alle Zeit.

Wir loben dich in Luv und Lee,

Wir hier an Land und dort auf See.

Auch eine Hymne. Die Hymne der Royal Navy.

Gerade gestern schickte mir Jan Janssen, früherer Bischof von Oldenburg und jetzt Seemannspastor in Rotterdam, seine deutsche Übersetzung dieser Hymne.

Ich möchte Sie herzlich begrüßen zu diesem Gottesdienst in der Reihe „Lieder predigen“. Dieser Titel ist ja doppeldeutig:

  • es wird über Lieder gepredigt –
  • und die Lieder predigen für sich.

Das heute hier dieses Lied aus dem Niedersächsischen Regionalteil des Evangelischen Gesangbuches im Mittelpunkt steht, ist eher ungewöhnlich – und vermutlich ist dieses Lied noch nie in dieser Kirche gesungen worden. Es ist ein Lied von der Küste, von den Inseln, dort wo Menschen sich durch die Jahrhunderte und auch noch heute mit Wind und Wellen, der rauhen See auseinandersetzen müssen und die Flut auch heute noch zur existentiellen Bedrohung werden kann. Für die Insulaner auf den Ostfriesischen Inseln ist es eine Hymne.

Ich bin mit diesem Lied aufgewachsen. Als Ostfriese, der mehrmals im Jahr auf der Insel Spiekeroog zu Gast ist, am liebsten zu der Zeit der Herbststürme, hat dieses Lied eine ganz enge Verbindung zu den biblischen Geschichten von Sturmstillung und Seewandel – und zu dem so genannten See- fahrerpsalm, den wir heute beten werden.

Herr Mohn hat in der musikalischen Eröffnung dieses Gottesdienstes den Choral schon anklingen lassen. Der Komponist, Ernst Arfken, war Pastor unserer Landeskirche und in den 50ger Jahren auch Inselpastor auf Spiekeroog.

Und dann gibt es noch einen besonderen Höhepunkt in diesem Gottesdienst: Letztes Jahr stand die- ses Lied im Mittelpunkt des Schlussgottesdienstes beim Landesposaunenfest in Leer. Der damalige Kantor von Norderney, Marc Waskowiak, hat für dieses Bläserfest eine Choralfantasie über das Lied

„Wie mit grimmgen Uvnerstand“ geschrieben. Es wurde mit 1.500 Bläserinnen und Bläsern auf dem Marktplatz von Leer uraufgeführt.

Wenn ich es richtig weiß, wird diese Choralfantasie heute erst zum zweiten Mal erklingen. Und ich danke Landesposaunenwart Henning Herzog und sein Ensemble „Junges Blech“ ganz herzlich, dass Sie in diesem Gottesdienst mitwirken.

Nun feiern wir diesen Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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Predigt

Liebe Gemeinde,

man muss nicht von der Küste kommen, um zu wissen oder zu ahnen, welche Macht das Wasser hat. Wer je bei Herbststurm an der Nordseeküste gesehen hat, wie die aufgepeitschten Wellen gegen gen den Deich oder die Dünen anrollen, der weiß, wie klein der Mensch wird angesichts der Urmacht des Wassers.

Die Schiffskatastrophen der vergangenen Zeit, der Rückblick auf die große Flut in Hamburg, die vielen unbeachteten Untergänge von Booten im Mittelmeer, voll mit Flüchtlingen aus Afrika – das alles lässt uns etwa ahnen von der Tiefe des Wassers, von der Gefährdung durch dieses Elements, das der Mensch nie beherrschen wird.

Im Psalm 107 kommt etwas von die Urerfahrung des Menschen zum Ausdruck. Der ganze Psalm ist ein großes Danklied, in meiner Bibel überschrieben als „Danklied der Erlösten“. Dank für die Erret- tung aus krisenhaften Lebenslagen, in denen Menschen an den Rand geführt wurden, wo sie einen Blick in die Tiefe tun mussten und ihnen schauderte, wo sie Irrwege gegangen sind, gefangen waren, Hungersnöte erlitten.

Und in der Mitte dieses Psalms die Erfahrungen der Seefahrer:

„Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und trieben ihren Handel auf den großen Wassern, die des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer, wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, dass ihre Seele vor Angst verzagte, dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wussten keinen Rat mehr…“

Es sind diese Verse, die den Psalm 107 zum so genannten „Seefahrer-Psalm“ gemacht haben. Mit nur wenigen Worten wird die Ohnmacht des Menschen auf kleinen oder großen Schiffen beschrieben, der Wind und Wellen ausgesetzt ist.

I

Auf und ab, das kennen wir alle aus unserem Leben. Was wir aber nur aus Katastrophenfilmen ken- nen, wenn hohe Wellen ein Schiff emporheben und dann in die Tiefe stürzen lassen, wenn Wasser- massen sich zu Bergen auftürmen und dahinter Wellentäler wie Abgründe sich auftun, das alles ha- ben Menschen auf den Meeren erlebt und erleben es, bei aller ausgefeilten Technik und technisier- ten Nautik, auch heute noch: „als sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken“.

Seefahrerromantik, Freddy Quinns „Junge, komm bald wieder“ und die Lieder von Hans Albers zeich- nen ein verklärtes Bild von der Realität der Menschen, die zur See fuhren – und viel zu häufig auf See geblieben sind. Der Ruf „Mann über Bord“ löst im Film Nervenkitzel aus. Die Erfahrung, über Bord zu gehen, ist so grausam, dass wir sie uns kaum vorstellen können.

Als ich Dorfpastor in Ostfriesland war, hat mir ein Mann, der auf einem Küstenmotorschiff zu See fuhr, davon erzählt. Er war einmal „kielunter“, ist bei hohem Seegang von Bord gespült worden und vom Sog unter das Schiff gezogen worden und auf der anderen Seite wieder emporgespült worden. Er ist die Bilder des strudelnden Wassers, das Gefühl des Sogs nach unten und des Ausgeliefertsein nie wieder losgeworden. Ein paar Jahre später ist er ins Wasser gegangen.

„Sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wussten keinen Rat mehr, die dann zum Herrn schrien in ihrer Not…“

So wie der Psalm 107 der Seefahrerpsalm ist, so gibt es ein Lied, dass an der Küste, vor allen Dingen auf den ostfriesischen Inseln fast so etwas wie eine Hymne ist. „Wie mit grimmgen Unverstand, Wel- len sich bewegen! Nirgends Rettung, nirgends Land, vor des Sturmwinds Schlägen“. Und dann das Rufen zum Herrn in der Not: „Einer ist’s der in der Nacht, einer ist’s, der uns bewacht: Christ, Kyrie, du wandelst auf der See“.

Große Sprünge in der Melodie im Umfang einer Oktave und mehr symbolisieren das Auf und Ab.

„Fuhren sie gen Himmel – sanken sie in den Abgrund…“

Bläser: Marc Waskowiak, Choralfantasie, Satz 1: Hilflosigkeit – Im Sturm des Lebens

Choral:

Wie mit grimmgem Unverstand Wellen sich bewegen!

Nirgends Rettung, nirgends Land vor des Sturmwinds Schlägen!

Einer ist’s, der in der Nacht, einer ist’s der uns bewacht: Christ, Kyrie,

du wandelst auf der See.

II

Die Katastrophen des Lebens brechen in aller Regel unvermittelt über uns herein, ohne Vorwarnung und Ankündigung, so wie der Tsunami Menschen am sonnigen Strand und in Urlaubsstimmung beim Frühstück überrollte. Die Krankheit, die vielleicht schon lange in uns schlummerte, bricht aus und stellt von einem Tag auf den anderen alle Zukunft in Frage. Der Verlust des sicher geglaubten Ar- beitsplatzes, das Zerbrechen einer langen Freundschaft, einer Partnerschaft, zeigt, auf wie schwan- kendem Boden wir gelebt haben. Ein Unfall, der Tod eines geliebten Menschen führen uns an den Rand und lassen uns in die Abgründe der Verzweiflung sehen, ja, lassen uns verzweifeln. Das Leben ist so zerbrechlich, so fragil. Wir stehen auf schwankendem Boden, so wie die Schiffsplanken im Sturm keinen Halt mehr bieten.

Unsere Sprache hat viele Bilder: wir verlieren den Boden untern den Füßen, wenn Gewissheiten wegbrechen, das Wasser steht uns bis zum Hals, wir gehen unter.

Davor schützt auch der Glaube nicht. Die Warum-Frage, mit der wir nach Erklärungen suchen, wenn Schicksalsschläge uns getroffen haben, sie bleibt offen, findet keine Antwort. Was den Eltern sagen, wenn sie fragen, warum ihr Kind das Opfer eines Sexualtäters wurde? Was der Frau sagen, deren Mann, während sie sich auf das erste Kind freuten, noch vor der Geburt beim Autounfall ums Leben kommt? Was dem Mann sagen, der gerade in Ruhestand gegangen ist und sich darauf freute, nun endlich Zeit zu haben für sich und seine Frau – und nun erfahren muss, dass die Frau Krebs im End- stadium hat?

Die Warum-Frage bleibt offen – und der Boden unter den Füßen wird weggerissen. Die Wogen der Angst und der Verzweiflung drohen über den Kopf zusammen zu schlagen.

Ja, da droht der Glaube sogar verloren zu gehen, der doch so oft Halt gegeben hat. „Wo bist Du Gott?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Es war der Gottessohn, eins mit dem Vater von Ewigkeit her, der diesen Schrei hervorstieß, als er am Holz hing und neben körperlicher Qual auch die Gottesferne aushalten musste. Da sehen wir ihn in höchster Solidarität mit uns Menschen: nicht nur Folter und Schmerzen muss er erleiden, sondern auch die Ferne von Gott. Auch durch dieses tiefe Tal muss er gehen, damit von da an kein Mensch mehr in eine Tiefe geraten muss, wo er, der Gottessohn nicht schon war.

Damit von da an kein Mensch mehr ganz allein sein muss: Er, der Gottessohn ist alle Wege schon gegangen, die wir hinter uns oder vor uns haben, mögen sie noch so dunkel, noch so beängstigend sein: Er ist all diese Wege schon gegangen, um so an unserer Seite zu sein. Christ, Kyrie, erschein uns auf der See!

Bläser: Marc Waskowiak, Choralfantasie, Satz 2: Hilflosigkeit – Im Sturm des Lebens

Choral:

Wie vor unserm Angesicht Mond und Sterne schwinden!

Wenn des Schiffleins Ruder bricht, wo dann Rettung finden?

Wo denn sonst als bei dem Herrn, sehet ihr den Abendstern!

Christ, Kyrie,

erschein uns auf der See!

III

Er hat sich weit vorgewagt. Und er hatte ja auch allen Grund dazu.

Eine geradezu berauschende Zeit lag hinter ihm: als er dem Wanderprediger Jesus begegnet war, da hat er alles stehen und liegen gelassen und ist seinem Ruf „Folge mir nach“ gefolgt. Was haben sie nicht alles erlebt: Menschen wurden gesund, Blinde sehend, Stumme sprechend. Menschen, die von dämonischen Mächten gefangen gehalten wurden, sie wurden frei und fanden ins Leben zurück. Er hatte ihnen Einblick und Ausblick gegeben: vom Reich Gottes, das nahe herbei gekommen ist, hat Jesus von Nazareth gesprochen, von der Gerechtigkeit, die jedem Menschen zukommt. Die Nähe zu diesem Jesus hatte sein Leben verwandelt. Sein altes Leben als Fischer lag weit hinter ihm. Neue Kräfte, Glaubenskraft verspürte er in sich. Kraft, neue Wege zu gehen, anders zu leben.

Aber nun hatte ihn seine Vergangenheit eingeholt: „Fahrt schon mal über den See“, hatte Jesus ihnen gesagt, „ich möchte mich zurückziehen und beten. Ich komme nach…“. Und so waren sie ins Boot gestiegen, um über den See Genezareth zu fahren. Und unversehens geraten sie in Not. Sturm kommt auf, ein solcher Sturm, dem auch sie als erfahrene Seeleute nicht gewachsen sind: „das Boot kam in Not durch die Wellen, denn der Wind stand ihm entgegen“, berichtet der Evangelist Matthäus,

„dass sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, dass ihre Seele vor Angst verzagte“, so der Seefahrerpsalm.

Und dann kommt er zu ihnen, so wird berichtet. Dann kommt der Christus übers Wasser und begeg- net ihnen in der Dunkelheit der Nacht und im Tosen des Sturms und in den Wasserwogen, die über ihnen drohten zusammen zu schlagen. Aber nicht immer erkennen wir ihn, wenn er uns begegnet. Nicht immer wissen wir, dass er es ist, wenn uns jemand entgegen kommt. Erst als er sie anspricht:

„Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ da wissen sie: Er ist es. Wir sind nicht allein, nicht ver- lassen. Auf unmöglichem Weg kommt er uns nahe, wo wir Hilfe brauchen und nicht mehr erwarten, wo wir uns verloren wähnen und die Hoffnung aufgegeben haben. Da kommt er. –

Er hat sich weit vorgewagt. Und traut sich was zu: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser“. So ist er, der Petrus. Den anderen immer eine Nase weit voraus. Voller Vertrauen, aber auch risikobereit. Und als er gerufen wird, steigt er aus dem Boot und wagt sich aufs Wasser, das bekanntlich keine Balken hat.

Und das Wasser trägt ihn – und er geht über das Wasser auf Jesus zu.

„Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!“

Unser Glaube an den lebendigen Christus, er hilft zum Leben. Wie viele Situationen kennen wir, wo wir das erlebt haben. Aber der Glaube schützt und bewahrt nicht davor, dass wir in Situationen gera- ten, wo vieles, wenn nicht alles, ins Wanken gerät. Wohl dem, der dem, der dann noch rufen, schrei- en kann: „Herr hilf mir!“ – und der dann die Hand ausstreckt und sich fassen lässt.

Bläser: Marc Waskowiak, Choralfantasie,

Satz 3: Kampf zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Choral:

Nach dem Sturme fahren wir sicher durch die Wellen, lassen, großer Schöpfer, dir unser Lob erschallen,

loben dich mit Herz und Mund, loben dich zu jeder Stund: Christ, Kyrie,

ja dir gehorcht die See.

IV

Das Wasser hat reinigende Kraft. Jegliches Waschen ist mit Wasser verbunden.

Reinigend ist es und erfrischend. Sich nach schmutziger Arbeit die Hände zu waschen, nach einer langen staubigen Wanderung die Füße zu waschen, nach dem Schlaf der Nacht sich unter die Dusche zu stellen und nach dem Saunagang ins kalte Tauchbecken einzutauchen – Wasser kann so wohltu- end sein.

Als leibhaftige Reinigung wurden Waschungen zu religiösen Handlungen. In vielen Religionen gehört es dazu, sich vor dem Gebet zu reinigen.

In der Taufe wird das aufgenommen: das Wasser der Taufe symbolisiert die Reinigung, das Abwa- schen aller Schuld, die den Mensch vor Gott und gegen andere Menschen auf sich geladen hat. Das wird natürlich viel deutlicher und bildhafter dargestellt, wenn Menschen bei der Taufe ganz einge- taucht werden ins Wasser, so wie das in weiten Teilen der Welt, aber auch bei den Erwachsenentau- fen in den Freikirchen auch heute noch geschieht: der ganz Mensch wird eingetaucht und anschlie- ßend mit dem weißen Taufkleid bekleidet: das Zeichen für neues Leben, von Gott geschenktes Leben. Früher wurden auch in unseren Kirchen Säuglinge ganz eingetaucht ins Wasser. Davon zeugen noch die großen Taufsteine in alten Kirchen.

Aber dieses Eintauchen ins Wasser, das Untergetaucht-Werden symbolisiert neben der Reinigungs- kraft auch die Bedrohung des Wassers. Viele Kinder und auch manche Erwachsenen empfinden Angst bei dem Gedanken, im Wasser unterzutauchen. Es ist die menschliche Urangst unterzugehen, zu ertrinken.

Und auch dieser Gedanke gehört zur Taufe dazu, auch wenn sie in der Form, wie wir heute taufen, kaum noch abgebildet wird. Paulus schreibt von der Taufe im Römerbrief: „Wisst ihr nicht, dass alle, die wir getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wie Christus auferweckt ist von den Toten, auch wir in einem neuen Leben wandeln“. Durch die Taufe sind wir mit Christus in sein Sterben hineingenommen – damit wir auch mit ihm le- ben. Dass wird deutlich und abgebildet, wenn Menschen bei der Taufe ganz untergetaucht werden, um dann zu einem anderen, einem neuen Leben „aus der Taufe gehoben zu werden.

So ist die Taufe, wenn wir sie recht verstehen, ein tiefer Einschnitt im Leben eines Menschen: in der Taufe, dem symbolischen Sterben mit Christus, liegt der Beginn unseres neuen Lebens mit Gott, dass von Gott her auf die Ewigkeit angelegt ist. Es ist ein Bund fürs Leben – und für den Tod, den Gott mit uns eingegangen ist und mit der uns seine Treue zusagt, für heute, morgen und für allezeit.

Und das kann und das mag uns auch halten, wenn die letzte Stunde schlägt, so wie es der Liederdich- ter Johann Daniel Falk, der auch den ersten Vers von ‚O du fröhliche‘ dichtete, in seinem Lied im letz- ten Vers zum Ausdruck bringt: „Einst in meiner letzten Not, lass mich nicht versinken.“

Bläser: Marc Waskowiak, Choralfantasie,

Satz 3: Kampf zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Choral:

Einst in meiner letzten Not, lass mich nicht versinken. Sollt ich von dem bittern Tod Well auf Welle trinken,

reiche mir dann liebentbrannt, Herr, Herr, deine Glaubenshand! Christ, Kyrie,

komm zu uns auf die See!

Text: nach Johann Daniel Falk 1816, 1819 Melodie: Carl Loewe 1829

V

Wer diese Erfahrungen durchgemacht, wem der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, wem das Wasser bis zum Halse stand, wer unterzugehen drohte und wem die Angst der Hals zugeschnürt hat – wer dieses erlebt hat, wer dann zum Herrn schrie und errettet wurde, der – so heißt es im See- fahrerpsalm – der soll dem Herrn danken seine Güte und für seine Wunder.

Und dann ein neues Lied anstimmen und dem Herrn singen. So wie wir das jetzt tun:

Choral:

Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod;

du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not.

Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle

zu dieser Stunde. Halleluja.

Wir jubilieren und triumphieren,

lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

Text: Cyriakus Schneegaß 1598

Melodie und Satz: Giovanni Giacomo Gastoldi 1591; geistlich Erfurt 1598

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