23. Juli 2017 | Predigt

Figur des Johannes, der Täufer in der Neustädter Hof- und Stadtkirche

Ich war dabei. – Aber ich kann mich nicht erinnern…“

Predigt von HANS-BERNHARD OTTMER am 6. Sonntag n. Trinitatis – 23. Juli 2017 – Neustädter Hof-und Stadtkirche | Von der Taufe : Rm. 6, 3 – 8 und Apostelgechichte 8, 26 – 39

DER GOTT ABRAHAMS, ISAAKS UND JAKOBS – DIE GEGENWART DES AUFERSTANDENEN CHRISTUS UND DIE GEMEINSCHAFT DES HEILIGEN GEISTES SEI MIT UNS ALLEN.

Liebe Schwestern und Brüder,

I

von der Taufe sollen wir heute hören und reden. Die Taufe ist das große Thema des 6. Sonntags nach Trinitatis. Es ist eine gute Ordnung unserer Kirche, dass jeder Sonntag – ob Festtag oder Sonntag nach Trinitatis – seinen eigenen biblischen Schwerpunkt hat.

Heute also: von der Taufe.

Als das im Konfirmanden-Unterricht „dran“ war, sagte eine meiner Konfirmandinnen:

Ich war dabei. – Aber ich kann mich nicht erinnern…“

Wir hier waren alle dabei. Und können uns alle nicht daran erinnern. Das ist merkwürdig.

Ist doch die Taufe das „Grund-Datum“ aller Christen auf dieser Welt. Getreu dem Abschluss des Matthäus-Evangeliums:

Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohne und des Heiligen Geistes. Und lehret sie halten, alles was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage. Bis an der Welt Ende.“ (Mt. 28, 16 – 20).

Dazu haben wir gerade zwei sehr unterschiedliche Lesungen gehört.

Von der Taufe redet der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer im 6. Kapitel.

Ich habe den Eindruck: Er setzt den Taufbefehl Jesu – Wieso eigentlich steht hier eigentlich ein klassisch militärischer Sprachgebrauch: „Befehl“? – in eine hoch-theologische Belehrung um:

„Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft.?“

Irgendwie höre ich da einen unterschwelligen Vorwurf heraus.

Eigentlich müsstet Ihr´s doch wissen. Habt ihr´s nicht gehört? – Oder wart ihr bei eurer Taufe nicht dabei? – Doch ! – Die damals waren alle dabei…

So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln“.

Nein, werden die Christen zu Rom antworten.

So haben wir´s aber nicht gehört. – Ist uns viel zu kompliziert…

Eher so, wie es in der schönen Geschichte von Kämmerer aus Äthiopien in der Apostelgeschichte erzählt wird.

Eine schöne Geschichte von der Taufe.:

Ein Finanz-Manager der Königin von Äthiopien war – offenbar privat – nicht auf Dienstreise – in Jerusalem gewesen. „Um anzubeten“, wie uns erzählt wird.

Ein religiös interessierter Spitzenbeamter. Kommt hin und wieder vor. Auch heute noch… So ein bisschen wie „Finanzpolitische Akademie -Tagung in Loccum.“ Da gibt´s anschließend fachkundige Literatur zum Mitnehmen. Vermutlich eher zufällig erwischt er den hebräischen Propheten Jesaja. Und kommt damit nicht klar.

Der Geist Gottes, der das alles aus sicherer Entfernung mit Interesse verfolgt, schickt schließlich seinen Philippus. Wer immer das war… der soll da mal nachsehen. Und hört, dass dieser Finanz-Mensch einen offenbar religiösen Text auf hebräisch liest, den der natürlich nicht versteht..

Philippus stellt die immer wieder entscheidende Frage:

„Verstehst du auch, was du da liest?“ – Verstehen wir immer, was wir lesen…?

Der Finanz-Manager weiß aus seinem eigenen Fachgebiet: Ohne Anleitung, ohne Fortbildung keine Chance auf Führungs -oder Entscheidungs-Wissen.

Er weiß, dass er Hilfe braucht. Für Manager eine eher seltene Selbst- Einschätzung. Manche halten sich für den lieben Gott selber. Nicht so dieser Finanzgewaltige.

Er begreift, dass es da einen gibt, der mächtiger ist – als er selbst in all seiner Macht-Vollkommenheit.

Und Philippus – so steht es da in der Sprache der „Eingeweihten“ – predigte ihm das Evangelium von Jesus“.

Als ihr gemeinsamer Weg sie an einer Wasserstelle vorbei führt, sieht der Manager für sich die Chance seines Lebens. (Erfolgreiche Manager haben mitunter die Fähigkeit, im richtigen Moment diese richtige Entscheidung zu treffen). Daher die richtige Frage im richtigen Moment:

Siehe – da ist Wasser; was hindert´s, dass ich mich taufen lasse…?

Er ließ den Wagen halten. Die „Entscheidungs-Macht“ ist bis zuletzt bei ihm:

„Und beide stiegen in das Wasser, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.“

Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er aber zog seiner Straße fröhlich“.

Übrigens: Keine Taufzeugen. Keine Paten Kein Glaubensbekenntnis.. Nach kirchlichem Recht keine „gültige“ Taufe…Dem Erzähler war´s nicht so wichtig.

Er aber zog seiner Straße fröhlich.

II

Der Kämmerer wird sich ein Leben lang seiner Taufe erinnern können.

Nicht nur wegen der Fröhlichkeit. Er hatte einen kompetenten geistlichen Begleiter gefunden.

Für Paulus war das viel komplizierter. Er war ein Christen-Verfolger. Bis ihn einst Jesus selbst verfolgte bei Damaskus mit der Frage: „Saul, warum verfolgst du mich?“

Woraufhin er erstmal in´s Koma fiel, blind war, nicht selbständig laufen konnte, sondern geführt werden musste zu Freunden nach Damaskus, wo er Essen und Trinken verweigerte, bis ihn ein gewisser Ananias im Auftrag des Jesus erlöste, den er bekämpft hatte und der ihm erschienen war bei Damakus.

„… und er ward wieder sehend und stand auf, ließ sich taufen, nahm Speise zu sich und stärkte sich“ (Apostelgesch. 9, 18,ff.)

Fast nebenbei erzählt die Apostelgeschichte von der Taufe des Paulus.

Er wird sich sehr genau erinnert haben. Und weil er immer schon ein intellektuell denkender und fühlender Mensch war, hat er im Römer-Brief seine eigene Tauf- Erfahrung sozusagen theologisch versucht, auf den für ihn entscheidenden Punkt zu bringen.

Wir haben´s gehört heute.

Um ihn zu verstehen, müssten wir uns mindestens auf ein verlängertes Gesprächs-Wochenende verständigen.

Und wären dann immer noch nicht am Ende…

III

Paulus und die frühen Christen konnten sich natürlich an ihre Taufe erinnern.

Es waren Erwachsenen Taufen. Wie einst am Jordan, als Jesus sich – nach heftigem Disput mit Johannes taufen lies.

Und so wuchsen die christlichen Gemeinden in den ersten Generationen über die Erwachsenen-Taufen. Die Apostelgeschichte nennt dramatische Taufzahlen.

Und irgendwann war das Christentum anerkannte Reichs-Religion. Und die Getauften gründeten christliche Familien , sie bekamen Kinder –aber die Kindersterblichkeit war hoch.

Was lag näher, als schon die Kinder zu taufen. Jesus selbst hatte ja ein faible für Kinder. „Lasst sie zu mir kommen. Denn ihrer ist das Reich Gottes“.

Wenn Paulus Recht hatte mit seiner Lehre, dass die Taufe auf den Namen Jesu und die Auferstehung von den Toten ganz eng miteinander zu tun haben – was liegt da eigentlich näher, als die Kinder zu taufen – möglichst früh nach ihrer Geburt: Kinder-Taufe als Gebet um Schutz und Segen für die neu -geborenen Kinder?

Die Taufe war mal – ganz zu Anfang – eine bewusste Entscheidung erwachsener Menschen für ein Leben mit Christus – in der Hoffnung auf Ewigkeit.

Seit die Christen ihre kleinen Kinder taufen, kann sich niemand mehr an seine Taufe erinnern.

Luther hat das noch versucht.

Wenn er Probleme hatte – und er hatte viele davon – dann schrieb er auf einen Zettel: „bapticatus sum“ „Ich bin getauft.“ Er hatte diesen komplizierten Zusammenhang aus Römer 6 für sich sozusagen „realisiert“. Er lebte aus der Taufe. – Ohne Taufe – keine Reformation.

Und ein letzter Satz:

Ja, es ist wahr – wir , die wir uns nicht an unsere Tauf erinnern können – haben meistens jedenfalls – keine bewusste Entscheidung für Christus getroffen.

Das haben andere für uns getan: Eltern und Paten. So ist die Taufe ein lebenslanges Zeichen für die Liebe unserer Eltern und Paten zu unserem Leben – bis heute. Und darin ist sie ein bleibendes Zeichen der Liebe Gottes.

Auch – wenn wir uns nicht daran erinnern können.

Friedenswunsch. – Amen.

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