14. September 2014 | Predigt

Gemälde des Gekreuzigten in der Hof- und Stadtkirche

Zachäus, der Zöllner

Predigt von Jens Petersen zum Gottesdienst am 13. S. n. Trin., 14.09.ʼ14, 10.00h, Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis, im Rahmen der Leibniztage, | „Leibnizpredigt“| Texte: Luk 19, 1-10 / G. W. Leibniz, Monadologie

Liebe Gemeinde,

wie kommt eine Person an den Kern dessen heran, was sie bestimmt, was sie auszeichnet, ja, vielleicht auch dessen, was sie beherrscht? Wie dringen wir überhaupt zum Kern einer Sache vor? Nach den Jesus-Erzählungen der Evangelien ist das Erkennen des Wesentlichen, des Kerns einer Person immer dann möglich, wenn sie erst einmal von sich selbst absieht, wenn sie auf etwas oder jemand anderen schaut, der oder das den Kern herausschält, damit er beobachtbar ist. Zachäus, der Zöllner, ist des Umstands überdrüssig, gleichsam nur als persona non grata angesehen zu werden, in der Gesellschaft nur als Person wahrgenommen zu werden, von der sich alle distanzieren, die alle kritisieren, die häufig ausgegrenzt wird.

Seine Tätigkeit ist anstößig, Ärgernis erregend, in den Augen vieler sogar schlicht überflüssig, aber das macht ihn sozial auch wieder zu einer interessanten Reizfigur, an der sich andere gern abarbeiten, die andere gern heranziehen, um sich der Wut und Ohnmacht gegenüber sozialer Ungleichheit und ungerechten Zuständen zu entledigen. Zachäus, klein von Wuchs, reich an materiellen Gütern aber ohne den rechten Überblick, ohne Perspektive, braucht eine neue Sicht, eine neue Ansicht. Er muss sich vom Eigenen weg, hin zu etwas anderem bewegen, um zum Kern vorzudringen und vielleicht sogar eine Veränderung herbeizuführen.

Im Folgenden zeichne ich die Begegnung Jesu und des Zachäus nach, indem ich den biblischen Text aus Lukas 19 mit

der Monadologie Gottfried Wilhelm Leibnizʻ konfrontiere. Ich lasse die Texte wie zwei Welten aufeinandertreffen und versuche dem Verständnis von Leibnizʻ fensterloser Monade und dessen, was Zachäus und den anderen im Lukastext widerfährt, gleichsam Tür und Tor zu öffnen. Alle, die in der Zachäus- Erzählung erwähnt werden, haben einen besonderen Blick auf das Geschehen, sie haben besondere Ansichten, die den Verlauf der Ereignisse beeinflussen: Jesus, Zachäus und nicht zuletzt die Umstehenden beobachten einander und legen damit Stück für Stück den Kern dessen frei, was da um sie geschieht, und sie merken, dass auch etwas mit ihnen selbst geschieht. Alle vorkommenden Personen rücken in ein neues Licht und sehen die anderen in einem neuen Licht. Ihnen wird eine neue Wahrnehmung für die anderen, für sich selbst, für den Kern und das Wesentliche ermöglicht. Selbst uns, den Leserinnen und Hörern ermöglicht und verschafft der Text Einblicke, wie wir zum Kern, zum Wesen einer Sache kommen. Wir nehmen teil am biblischen Text, an seinem Wechselspiel der Blicke und Ansichten. Wir sehen, wie die anderen einander beobachten. Wir nehmen selbst eine Perspektive ein, geraten in den Blickpunkt der anderen und ändern womöglich unsere Ansicht.

Wer sich zur Zeit Leibnizʻ an die Frage nach dem Kern einer Sache oder einer Person macht, gelangt unvermeidlich zu dem Begriff der Substanz. Sie sollte unveränderlich, eine Grundlage für anderes, wahrhaftig und eindeutig bestimmbar sein. Doch so sehr man sich auch bemühte, die Substanz blieb dem Veränderlichen, dem Zweifelhaften, Unsicheren und Uneindeutigen ausgesetzt. Leibniz war die Welt mit ihrer bunten Mannigfaltigkeit und Fülle wichtig und lieb. Darum hielt er nichts von der Ansicht, das Eine, Grundlegende, Unveränderliche sei bedeutsamer als das Viele, Vielgestaltige, Veränderliche und das

Eine müsse deswegen vor der Mannigfaltigkeit der Welt geschützt werden. Leibniz schlug bei seiner Deutung der Substanz völlig neue Wege ein. Mit ,Substanzʻ bezeichnete er das Verhältnis zwischen allen Dingen in der Welt und den Beziehungen, die zwischen ihnen herrschen müssen, damit ein geordnetes, ein einheitliches Ganzes entsteht. Substanz als geordnetes, beziehungsreiches Ganzes – das war zur Zeit Leibnizʻ ein ungewöhnlicher Gedanke. Denn in der Regel bezeichnete ,Substanzʻ nicht eine einheitliche Ordnung zwischen vielen Dingen, sondern eine einfache Einheit eines Dinges in sich. Diese Bedeutung nahm auch Leibniz auf. Und somit erhielt der Begriff ,Substanzʻ bei ihm auf einmal zwei Bedeutungen: ein einheitliches Ganzes und eine einfache, elementare, präzise bestimmbare Einheit. Damit hatte Leibniz den Schlüssel zum Problem, wie sich ein theoretischer Begriff, eine Idee wie ,Substanzʻ mit der vielgestaltigen Welt vereinbaren lässt. Das trieb Leibniz um. Er versuchte, den Kern des Problems anzugehen, zum Kern der Sache vorzudringen und fand – das Kontinuum. Das Kontinuum macht zwei ungleiche, zueinander nicht passende Reihen nach bestimmten Kriterien und Regeln miteinander vergleichbar. Die Idee des Kontinuums ermöglicht also, zwischen der sich verändernden Welt und festen, manifesten Einheiten wie den Substanzen eine Verbindung herzustellen. Leibniz hat damit einen wissenschaftlichen Weg gebahnt, wie man gegensätzliche Reihen, Dinge oder Zusammenhänge aufeinander bezieht und wie man genau in diesem Bezug all das trefflich, präzise, klar und deutlich voneinander unterscheidet. Leibniz suchte den Kern des Problems nicht mehr in irgendwelchen Sachen oder Personen. In der wissenschaftlich fundierten, logisch vorgehenden, rational überprüfenden Beschäftigung mit einem

Problem fand Leibniz Formen der Verknüpfung, der Vermittlung zwischen den Sachen in der Welt und den Ideen, wie man solche Sachen erklären und bestimmen kann.Er blieb mit dieser Vorgehensweise auf der Seite der wissenschaftlichen, logischen, rationalen Auseinandersetzung. Die weltlichen Sachen kommen dann als Elemente der Theorie vor. Die Perspektive auf die Welt ändert sich.

Zachäus, der ungeliebte aber wohlhabende Zöllner von geringem Wuchs, entfernt sich vom angestammten Platz am Stadttor und begibt sich an einen Ort, von dem aus er einen guten Ausblick auf diejenige Person zu erhalten gedenkt, die ihn möglicherweise einer neuen Ansicht teilhaftig werden oder gar zum Kern der Sache vordringen lässt. Zachäus ahnt, dass es für ihn wichtig ist, sich einen Überblick zu verschaffen, und steigt auf einen Baum, um abgehoben von der Menschenmenge Jesus besser sehen zu können. Zachäus ahnt vielleicht auch, dass der Blick von oben ihm noch nicht den Überblick verschafft, den eine Begegnung mit Jesus bewirken könnte. Überblick, Erkenntnis entstehen, wenn zwei, die einander ungleich und unterschiedlich sind, einander begegnen und den Blick aufeinander richten. Dies geschieht in der biblischen Erzählung. Jesus wird beim Betreten des Platzes, auf dem ihn die Menschenmasse erwartet, sofort auf Zachäus aufmerksam, auf einen bestimmten unter vielen.

Die Konstellation ist dabei interessant: In dieser Szene ist der kleine Zachäus oberhalb des Standortes Jesu angeordnet. Muss Jesus den Blick zu Zachäus erheben, so schaut Zachäus zu Jesus in die Tiefe; er erhält womöglich zum ersten Mal in seinem Leben im wörtlichen Sinne einen tiefgründigen Einblick in die Zusammenhänge. In der Szene ist alles anders, als man auf den ersten Blick erwarten könnte: Jesus, die Persönlichkeit mit der Aura des Großartigen, dem viele als einem Gottesmann mit

besonderen Kräften zugetan sind, schaut auf zu Zachäus und richtet eine ungewöhnliche, in den Augen der umstehenden Gesellschaft ungehörige, skandalöse Aufforderung an ihn: Zachäus möge herunter steigen, denn Jesus müsse an diesem Tag zu Gast in dessen Haus sein. Das Wort, mit dem das Muss Jesu wiedergegeben wird, ist dasselbe, das in den Evangelien auch für die Leidens-, Kreuzigungs- und Auferstehungsankündigungen verwendet wird: Es ist der Ausdruck δει. Zachäus wird nicht aufgefordert, zu Jesus zu gehen, sondern Jesus in seinem Haus zu empfangen; nicht nur Zachäus bewegt sich, sondern auch Jesus. So muss es geschehen – δει. Damit kommt es gleichsam zu einem Kontakt zweier Welten und zu entscheidenden Perspektiven und Einsichten. Es kommt sogar zu einer Veränderung der Einsichten, zum Perspektivwechsel.

Leibniz entwickelte eine Untersuchungsmethode, die der Theorie des Kontinuums entsprach: die gemeinsame rationale Betrachtungsweise. Sie ermöglichte ihm, eine Verbindung herzustellen zwischen ungleichen Reihen, zwischen entgegengesetzten Zusammenhängen. Die rationale Betrachtungsweise beobachtet, beschreibt und erklärt den Kontakt zweier Welten oder zweier Bereiche. Beim Thema Bewegung bzw. Veränderung und beim Problem des Verhältnisses zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Veränderung und Stabilität kam er auf folgenden Gedanken: Ruhe ist in einem bestimmten logischen Zusammenhang als Spezialfall der Bewegung zu betrachten. Dann wäre also die Substanz ein Bereich, in dem eine Vermittlung stattfände zwischen Stabilität und Veränderung, zwischen Ruhe und Bewegung. Die Substanz ist demzufolge einerseits fest, eine sichere, eindeutige Grundlage für die Dinge in der Welt; aber

andererseits ist sie selbst auch beweglich, veränderlich. Damit gelangte Leibniz zu einer Theorie, einer Untersuchungsmethode, die rationale Konzeptionen und reale Sachen in der Welt in einen Zusammenhang bringen. Er entwickelte ein theoretisches Element, das eine Beziehung zum Ausdruck bringt, ein Einfaches, das durch eine Vermittlung charakterisiert ist. Er nannte es „Monade“. Sie ist als eine Art Vermittlungsinstanz aufzufassen, ein Element, aber doch nicht gegenständlich; bewegt, veränderlich, aber doch auch identifizierbar, klar und deutlich zu beschreiben; sie ist einfach, weist aber dennoch eine Vielheit auf. Sie ist dasjenige Einfache, das die Vielheit in sich fasst und gleichsam auf den Punkt bringt. Die Monade vermittelt sowohl zwischen dem Bereich der Theorie und dem Bereich der vielgestaltigen, sich schnell verändernden Welt als auch zwischen Einheit oder Einfachem und Vielheit. Das bedeutet, mit der Konzeption der Monade öffnet sich die Theorie zur Welt, sie verstaubt nicht in Lehrsälen oder Studierstuben, sondern lässt den frischen Wind der bunten Welt hinein. Eine Monade ist bei Leibniz ein Einfaches, das in sich vermittelt ist. Sie ist einfach, eine unteilbare Einheit, aber sie ist auch veränderlich, sie kann eine Vielzahl von Zuständen annehmen. Darüber hinaus ist die Monade ein Allgemeinbegriff. Der vermittelt zwischen verschiedenen Elementen, denn vielen Dingen kann die Bestimmung der Monade zugeschrieben werden. Damit öffnet sich die Theorie. Die Monade ist – wie Leibniz es formuliert – fensterlos. Sie schottet sich gegen jeglichen äußeren Einfluss ab. Aber dennoch setzt sie sich aus. Sie wird innerlich so reich, so vielschichtig, so komplex, dass sie sich der äußeren Beobachtung, der Begegnung, der wohlwollenden Hinwendung aber auch der kritischen Auseinandersetzung stellt. Und in ihrer Fassung als Allgemeinbegriff muss sie sogar noch damit

rechnen, dass sie anderen außerhalb ihrer selbst begegnet, die auf je ihre Weise eine Monade sind.

Nun muss ich aber endlich den Zöllner Zachäus von

seinem Baum heruntersteigen lassen, sonst verhungert er da oben noch, Jesus wartet auch schon. Mit Jesus und Zachäus treffen Welten aufeinander. Jesus lässt sich vollkommen auf diese Konfrontation ein, ja, er nimmt die Perspektive des Zöllners ein. Die Umstehenden nämlich, die alles besser wissen und schnell bei der Hand sind mit dem Urteil über richtig und falsch, sie nehmen nunmehr an Jesus ebenso Anstoß wie an Zachäus. Doch inzwischen stellt sich noch eine weitere Perspektive ein. Es ist diejenige der Leserinnen oder der Zuhörer. Mögen die vielleicht zu Anfang auch mit skeptischer Distanz oder Ablehnung auf die zwielichtige Figur des Zöllners reagiert haben, so schauen sie nun vielleicht mit mehr Sympathie auf sie. Zumindest die Hörerinnen und Leser werden also mit gespanntem Interesse verfolgen, wie sich Jesus der Welt des Zöllners und den Ansichten der Umstehenden aussetzt. Die beiden Männer nehmen einander wahr, beide nehmen den anderen erst einmal so, wie er ist. Sie belassen einander ihre Würde, sie zollen einander Respekt. Jesus hält Zachäus sogar der besonderen Ehre für wert, mit diesem in dessen Haus zu Tisch zu sitzen. Damit ist der Kern der Sache berührt: Dieser Kern ist eben die Begegnung zweier unterschiedlicher Welten, die einander anerkennen und ihre Würde lassen. Einer lässt sich auf die Perspektive des anderen ein, einer setzt sich den Ansichten und Einsichten des anderen aus. Und damit kommt Zachäus zu einer neuen Einsicht über sich selbst: Er kann sein Leben ändern; der Kern seiner Persönlichkeit muss nicht konstant darin bestehen, anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen und dafür zur Reizfigur der Gemeinschaft abgestempelt

zu werden. Er erhält in der Begegnung mit Jesus die Gelegenheit, sich zu bewegen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und dasselbe zu erleben wie mit Jesus.

Liebe Gemeinde, Leibnizʻ Monade beinhaltet eine Vielheit und sie begegnet einer Vielheit anderer Monaden. Aber was beinhaltet oder umfasst wiederum die Monaden? Wenn man Leibniz fragt, kommt man zu seinem kosmologischen Begriff der

„universellen Harmonie“. // (Monadologie, 59., Werke I, S.465) // Genauso wie die Monade ist die Universalharmonie eine weltoffene aber nichtsdestoweniger wissenschaftlich- theoretische Größe. Ein entscheidender Unterschied zwischen einer Monade und der Universalharmonie ist, dass die Universalharmonie alle möglichen und wirklichen, alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Sachen der Welt in eine vollkommen schlüssige Reihe bringt. Sie ist von einem Element abhängig, das selbst nicht mehr Teil der Reihe ist. Das nennen manche Gott. Sonst herrscht zwischen Monade und Harmonie große Ähnlichkeit. Der Kontakt der Monaden untereinander bewirkt nach Leibniz eine Anpassung aneinander, ein Eingehen und Rücksicht Nehmen aufeinander. Einfache Substanzen und Monaden gehen Beziehungen ein, durch die sie

„ein dauernder lebendiger Spiegel des Universums“ werden // (Monadologie, 56., ebd.) //, wie Leibniz es nennt. Erkennen die Monaden bei ihrer Begegnung die Welt der anderen an, werden sie darin der eigenen Welt gewahr, würdigen sie also die Unterschiedlichkeit der Welten, dann eröffnet sich ihnen nach Leibniz eine großartige Möglichkeit: Sie nehmen die eigene und die anderen Welten als „die Perspektiven des einen einzigen [scil. Universums – JP] gemäß den verschiedenen Gesichtspunkten jeder Monade“ wahr. // (Monadologie, 57., ebd.) // Dies Universum ist, so Leibniz, von Gott geschaffen.

Universum begreift Leibniz als die Einheit der Welt, in der alles nach Strukturen geordnet ist und in der bestimmte Einheiten sich als souverän und selbstbestimmt, als frei behaupten.

Zachäus erhält in der Begegnung mit Jesus und bei dessen Bewirtung in seinem Haus die Möglichkeit, den Kern seiner Persönlichkeit wahrzunehmen und ihn zum Ausgangspunkt für sein Handeln in der Welt zu machen. Seine Perspektive wandelt sich, er selbst vollzieht das, was die Bibel Umkehr nennt. Nun rücken auf einmal die Armen und diejenigen, die er betrogen hat, in sein Blickfeld. Er kündigt an, die Hälfte seines Besitzes den Armen zu geben und diejenigen, die er betrogen hat, vierfach zu entschädigen. (Luk 19, 8) Seine Persönlichkeit wird so etwas wie der Spiegel des ihn umgebenden näheren und weiteren Umfeldes. Zachäus nimmt wahr, wie sein Leben, sein Trachten und Betrachten mit dem Leben, Trachten und Betrachten anderer zusammenhängt. Er erkennt, wie er andere beeinflusst, ja, in vielen Fällen sogar beeinträchtigt hat, und wie andere ihn beeinflussen. Der aufmerksamen Leserin, dem aufgeweckten Hörer wird aber noch etwas anderes auffallen. Jesus, der Sohn Gottes, der alle möglichen Zusammenhänge, Verbindungen, Beziehungen, Verknüpfungen zwischen allen möglichen weltlichen Dingen und den Ideen, Begriffen und Bestimmungen in sich präsent hat und vereint, der keiner einzelnen Perspektive bedarf, der geht in eine bestimmte Perspektive ein. Der Sohn Gottes, der alle Monaden umfasst, wird in Jesus von Nazareth selbst zu einer und setzt sich den eingeschränkten Ansichten aus, die ihn ablehnen, ausgrenzen, sogar ausschalten wollen. Er wird zum Spiegel des vom dreieinigen Gott geschaffenen Universums, damit andere in ihrer eigenen Perspektive die Möglichkeit erhalten, sich eine andere Betrachtungsweise zu eigen zu machen. Jesus hält

ihnen den Spiegel vor. So erkennen sie, was sie daran hindert, sich selbst als Spiegel des Universums anzunehmen – es mag schädigendes Verhalten sein wie bei Zachäus oder Selbstgerechtigkeit, die gern den Stab über andere bricht, wie bei den Umstehenden. Statt immer nur auf der Richtigkeit und Wahrheit des eigenen Standpunkts zu beharren, erkennen die Menschen mit Jesu Hilfe, dass auch andere Standpunkte durchaus ihr Recht haben und bedenkenswert sind. Mit Jesus öffnet sich der Blick und die Ansicht von Menschen zu einer weltoffenen Perspektive, in der unterschiedlichen Erkenntnissen, Beobachtungen und Einsichten Respekt gezollt und die Würde gelassen wird.

Liebe Gemeinde, mancher mag es für bedauerlich halten,

manche mag es als Segen empfinden: Das eine einzige Universum ist in dieser Welt nicht anders denn als lebendiger Spiegel zu haben. Das Universum erschließt sich uns nur durch eine Vielzahl von Perspektiven, die anzuerkennen und zu würdigen notwendig ist. Keine und keiner von uns hat den einen einzigen Zugriff auf das Universum. Selig ist, wer sich als Zollbeamter von Zeit zu Zeit von seiner Zollerhebungsstelle entfernt, auf einen Baum steigt und den erblicken kann, der für uns alle möglichen Perspektiven präsent hält: Jesus Christus.

Amen

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