Bild der Kirche vor 350 Jahren

350 Jahre barocke Neustädter Kirche

Vernunft & Glaube | 1670 – 2020

Wir möchten Sie herzlich zum Jubiläum der Neustädter Hof- und Stadtkirche willkommen heißen. Auf schöne Weise sind wir mit der Notwendigkeit und dem Mut der Menschen verknüpft, die die Neustädter Hof- und Stadtkirche vor 350 Jahren gegründet haben.
Mit der Barockepoche verbindet uns das spannungsreiche Lebensgefühl, das sich in der Gestalt des Kirchenraums und seiner Kunst ausdrückt. Das Vertrauen in die Kraft der Vernunft ist gebunden an die Kraft des Glaubens.
Wir blicken nicht zurück, wenn wir feiern, aber wir leben mit den Schätzen, die unsere Vorfahren uns im Geist und in der Architektur übergeben haben. Wir blicken in die Zukunft, um den kommenden Generationen das wunderschöne Erbe in voller Lebendigkeit weiter zu reichen.
Wir laden Sie herzlich ein mitzufeiern in Gottesdiensten und Konzerten, in Vorträgen und Geselligkeit.

Martina Trauschke, Pastorin

BAROCK IN DER STADT

Im Jubiläumsjahr errichten wir einen Spannungsbogen, der von der Barockepoche, in der die Neustädter Hof- und Stadtkirche erbaut wurde, ausgeht. Das Bewusstsein der Stadtgeschichte hat diese produktive Epoche vernachlässigt, obwohl in dieser Zeit im 17. Jahrhundert die grundlegenden Entscheidungen für das Wachstum zur Landeshauptstadt getroffen worden sind. Die Bauwerke dieser Zeit sind nahezu aus dem Stadtbild verschwunden. Die Neustädter Hof- und Stadtkirche repräsentiert mit wenigen anderen Gebäuden die Sichtbarkeit des Barock in der Stadt.
Die enge Verknüpfung unserer Kirche mit der Landesgeschichte hat einen bis heute sichtbaren künstlerischen Ausdruck in den drei Wappenfens-tern gefunden, die seit der Erbauung und durch die Zeitenwechsel hindurch erhalten geblieben sind: Das Wappenfenster des Herzogs Johann Friedrich, das seiner Ehefrau Benedicte und das Fenster, das an die Hochzeit des herzoglichen Paares während der Bauzeit der Kirche erinnert. Johann Friedrich war es auch, der Gottfried Wilhelm Leibniz, den jungen Gelehrten voller Ambition, Erfindergeist und Einfallsreichtum, für seinen Hof gewinnen konnte.

Was verbindet uns heute mit dem Barock?

Die Üppigkeit in Form und Farbe scheint zunächst fremd im Kontrast zu den kühlen funktionalen Linien der Gegenwart. Die Verbundenheit zeigt sich im Lebensgefühl: der Zerrissenheit zwischen Gegensätzen. In den Kunstwerken des Barock ist der Gegensatz zwischen Leben und Tod präsent. Die Gemälde der Generalsuperintendenten mit den prächtigen skulpturalen Rahmen geben dem spannungsreichen Lebensgefühl genauesten Ausdruck. Die goldenen Engel trompeten die Lebensfreude in den Raum; ihnen benachbart erinnert der Toten-kopf an die Vergänglichkeit. Üppigste Festfreude wechselt mit der Melancholie des Vergehens.

Vernunft & Glaube

Auch Vernunft und Glaube scheint – zumindest auf den ersten Blick – ein solches Gegensatzpaar zu sein. Gottfried Wilhelm Leibniz hat gegen diesen Anschein weiter gedacht und die Harmonie zwischen den Glaubenskräften und den Verstandeskräften in der Philosophie dargestellt.

Programm hier anschauen